Bei Untitled Art in Houston bringt Sapar Contemporary aus New York sieben künstlerische Positionen zusammen. Zwischen Seerosen, gerissenem Papier, gewebten Flächen und Skulpturen aus Kabelbindern lässt sich entdecken, wie unterschiedlich Kunst dem Lebendigen eine Form geben kann.
Ein roter Fisch zieht durch dunkles Wasser. Um ihn herum öffnen sich Blätter und Blüten, ihre Ränder in Rosa gefasst. Mizue Sawanos „Goldfish“ ist ein guter Ausgangspunkt für diese Reise: ein Gemälde, das den Blick einfängt und ihn anschließend zwischen all den kleinen Bewegungen seiner Oberfläche wandern lässt.

Vom 2. bis 4. Oktober 2026 kehrt Untitled Art für seine zweite Houston-Ausgabe ins George R. Brown Convention Center zurück; die VIP- und Pressepreview findet am 1. Oktober statt. Die aktuelle Galerieliste umfasst 99 Teilnehmer. Sapar Contemporary zeigt an Stand E4 eine Auswahl, die mehrere Generationen, Herkunftsländer und Arbeitsweisen miteinander ins Gespräch bringt.
Vom Wasser zur Linie
Die japanisch-amerikanische Malerin Mizue Sawano hat ihre künstlerische Praxis zwischen Tokio, Paris und New York entwickelt. Naturmotive ziehen sich durch ihr Werk; ihre Ausbildung verbindet japanische und westliche Kunsttraditionen. In der Houston-Auswahl begegnen uns unter anderem „White Water lily“ von 1991, mehrere kleine Seerosenbilder von 1993 und „Freedom“ von 2010.


Schon diese zeitliche Spannweite macht neugierig. Hier erscheint Natur als ein Motiv, zu dem man über Jahrzehnte zurückkehren kann. In „Goldfish“ von 2001 treffen die flächigen Blätter auf die dunkle Tiefe des Wassers. Dazwischen setzt der Fisch einen leuchtenden Akzent. Das Auge folgt ihm und bleibt dann doch an einer Blüte hängen.
Bei Bilgé, der türkisch-amerikanischen Künstlerin Bilge Civelekoğlu Friedlaender, wird die Begegnung mit Natur abstrakter. Ihre Beschäftigung mit Horizonten, Wasser und räumlicher Weite findet ihren Ausdruck in einer reduzierten Sprache aus Linien, Papier und Zwischenräumen.


Sapar versammelt mehrere Arbeiten von 1975, darunter „Poem On a Depressed Day“, „Tide’s in #4“ und ein Werk der „Horizontal Line Life Span Series“. Papier wird dabei selbst zum gestalterischen Material: gerissen, geschichtet, mit Pastell, Bleistift oder Aquarell verbunden. Eine Linie kann gezeichnet sein – oder dort entstehen, wo ein Blatt auseinandergerissen wird. Gerade diese Nähe von präziser Setzung und unberechenbarer Materialkante macht die Arbeiten reizvoll.
Was eine Oberfläche alles kann
Mit Ethel Stein und Benigna Chilla rückt die Konstruktion der Oberfläche in den Vordergrund. Steins „Rust Abstract“ von 2005 ist eine Webarbeit aus mercerisierter Baumwolle, ausgeführt in Lampas-Technik mit Ikat-Schuss. Der dafür verwendete Webstuhl besitzt einen von der Künstlerin angefertigten Zugwebaufsatz. Hinter dem Bild steht damit auch die Entwicklung eines Werkzeugs.


Chillas „In Motion“ von 1996 kombiniert bemalte Leinwand mit zwei Lagen bemalten Siebgewebes. In „Pavage en Diagonale II“ von 2000 treffen bedrucktes und bemaltes Rohleinen auf eine weitere bedruckte Gewebeschicht. Das Bild erhält tatsächliche Tiefe. Zwischen den Ebenen entsteht Raum, und mit ihm eine zusätzliche Möglichkeit, Farbe und Struktur wahrzunehmen.

Sui Park führt diese Auseinandersetzung mit Material in eine andere Richtung. Ihre Werke „Flow Blue“ von 2025 und „Microcosm Blue-Green Gradient“ von 2026 bestehen aus handgefärbten Kabelbindern. Aus einem industriellen Alltagsprodukt entstehen skulpturale Gebilde, deren Formensprache an organische Strukturen erinnert. Die variable Größe der Arbeiten erlaubt unterschiedliche räumliche Anordnungen. Schon die Titel öffnen einen gedanklichen Raum zwischen Strömung und kleiner Welt.


Eine Geste, eine ganze Welt
Die Auswahl wird durch Sofia Cacciapaglia und Uuriintuya Dagvasambuu ergänzt. Cacciapaglias kleine Ölbilder tragen Titel wie „Gaze + Hands“, „Gaze: Red Profile“ und „Gestures: Three hands“. Blick und Handbewegung werden zum Ausgangspunkt einer Malerei, die sich auf Ausschnitte menschlicher Präsenz konzentriert.


Dagvasambuu entwickelt die mongolische Maltradition Mongol Zurag weiter. Sie verbindet traditionelle mongolische und buddhistische Motive mit gegenwärtigen Themen und dem Alltag von Frauen in ihrer Heimat. In der Messeauswahl stehen die Acrylbilder „Vignette: The Scent“ von 2025 und „Vignette: Bird’s eye view“. Ihre Titel laden dazu ein, auch an das zu denken, was ein Bild nur indirekt vermitteln kann: einen Geruch, eine veränderte Perspektive, die Erinnerung an einen Moment.


So lässt sich Sapars Präsentation als eine Folge von Begegnungen lesen. Wasser und Papier, Faden und Kunststoff, Blick und Geste: Immer wieder verändert das Material, wie wir eine Form erleben. Ein reizvoller Anlass, auf einer Kunstmesse länger bei einem einzelnen Werk zu bleiben. Vielleicht beginnt es tatsächlich mit einem Goldfisch.







