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Merrachi: Den eigenen Stil selbst bestimmen

Das Amsterdamer Label bringt seine Winterkollektion nach Berlin – und erzählt von Frauen, die sich in jedem Alter neue Freiräume schaffen.

Malika eröffnete mit 50 ihre eigene Praxis. Mbarka nimmt sich mit 70 Zeit für sich selbst. In der Winterkampagne von Merrachi stehen zwei Frauen im Mittelpunkt, deren Geschichten über Kleidung hinausreichen. Sie geben einer Kollektion ein Gesicht, die mit Strick, Wolle und großzügigen Silhouetten den Alltag in der Stadt begleitet. Vom 5. bis 7. November 2026 ist sie im ersten öffentlichen Berliner Pop-up der Marke zu entdecken.

Nada Merrachi wusste ziemlich genau, was sie tragen wollte. Nur fand sie die passende Kleidung kaum. Als sie sich entschied, ein Kopftuch zu tragen, suchte sie nach Entwürfen, die ihren Körper bedeckten und ihrem persönlichen Stil entsprachen. Also begann sie selbst zu nähen. Die Grundlagen dafür hatte sie bei ihrer Großmutter und ihrer Tante in Marokko gelernt.

Aus diesem persönlichen Bedürfnis entstand 2020 gemeinsam mit ihrem Partner Zouhair das Label Merrachi. Der niederländisch-marokkanische Hintergrund der Gründerin prägt dessen Blick auf Mode und Repräsentation. Ausgangspunkt bleibt eine konkrete Frage: Wie möchte ich mich kleiden – und finde ich dafür auch die richtigen Stücke?

Bedeckung mit gestalterischem Spielraum

Merrachi bewegt sich im Bereich der Modest Fashion: Mode, die den Körper stärker bedeckt. Bei dem Amsterdamer Label sind die Schnitte so angelegt, dass dafür nicht erst zahlreiche Lagen übereinandergezogen werden müssen. Das lässt Raum für Proportionen, Oberflächen und Kombinationen.

In der Winterkollektion 2026 zeigt sich das an grobem Strick mit plissierten Ärmeln, gekochter Wolle und bequemen Strickkleidern. Jacken und Mäntel ergänzen die Garderobe, schwerere Stoffe geben ihr Struktur. Braun und Beige, Weiß und Grau bilden die Basis; Kastanienbraun und Burgunderrot setzen kräftigere Akzente. Mit dem Dalmatinerprint der Dalmatian Capsule kommt ein grafisches, verspieltes Element hinzu.

Die Entwürfe orientieren sich an einem Winter, den man draußen verbringt: auf Wegen durch die Stadt, zwischen Terminen, an Tagen, die länger werden als gedacht. Wärme und Bewegungsfreiheit gehören dabei ebenso zur Gestaltung wie die Frage, wie ein Ärmel fällt oder unterschiedliche Texturen zusammenwirken.

Zwei Frauen, zwei eigene Wege

„We Shape the City“ nennt Merrachi das Leitmotiv seiner aktuellen Kampagnen. Während im Herbst Frauen im Fokus standen, die das heutige Stadtleben prägen, widmet sich die Winterkampagne einer älteren Generation.

Da ist Malika, heute 61, die mit 50 eine Praxis für natürliche Heilbehandlungen eröffnete. Und Mbarka, 70, die zwischen Marokko und den Niederlanden pendelt und sich nach Jahren der Fürsorge für ihre Familie nun mehr Zeit für sich nimmt. Ihre Lebenswege bringen eine Perspektive in die Modebilder, die dort weiterhin zu selten selbstverständlich ist: Eigene Wünsche und neue Vorhaben haben auch jenseits der Jugend ihren Platz.

Gerade darin liegt der interessante Gedanke dieser Kampagne. Eine Garderobe begleitet Menschen, deren Leben sich weiterentwickelt. Geschmack, Bedürfnisse und das Bild von sich selbst dürfen sich mit ihnen verändern.

Drei Tage in Berlin-Mitte

Nach einem Community-Treffen zu Jahresbeginn kehrt Merrachi mit seinem ersten öffentlichen Pop-up nach Berlin zurück. Der Merrachi Kiosk in der Gipsstraße 11 verbindet die Präsentation der Winterkollektion mit einem Treffpunkt für die Menschen rund um die Marke. Nach Stationen in Antwerpen, Paris und London setzt das Label damit seine temporären Formate fort; in Amsterdam betreibt es einen Flagship-Store.

Vom 5. bis 7. November 2026, jeweils 10 bis 20 Uhr, ist der Kiosk öffentlich zugänglich. Eine Gelegenheit, die Stoffe und Schnitte aus der Nähe zu betrachten – und ein Label kennenzulernen, das aus der sehr persönlichen Suche nach der passenden Kleidung entstanden ist.

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