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Roopantara: Die Kunst, Tradition weiterzudenken

Bei House of Santal in New York erzählt zeitgenössisches südasiatisches Design vom Wandel – durch Materialien, handwerkliches Wissen und den Mut, vertrauten Formen eine neue Richtung zu geben.

Ein Sessel, dessen textile Oberfläche ohne Nähte entsteht. Ein Tisch, der Pyrit, Stein und spiegelndes Chrom zusammenbringt. Eine Konsole, in der traditionelle Einlegekunst eine neue gestalterische Sprache findet. Die Objekte der Ausstellung Roopantara: Matter in Metamorphosis tragen ihre Herkunft in sich. Zugleich zeigen sie, wie viel Bewegung in überliefertem Wissen steckt.

Mit ihrer zweiten Ausstellung widmet sich die New Yorker Galerie House of Santal dem schöpferischen Moment der Veränderung. Roopantara, aus dem Sanskrit abgeleitet, bezeichnet einen Wandel der Form. Hier wird dieser Gedanke greifbar: in Möbeln, Paravents, Spiegeln und Teppichen, die südasiatische Handwerkstraditionen aus der Gegenwart heraus weiterentwickeln.

Was die Hände wissen

Handwerk besitzt ein Gedächtnis. Es liegt in eingeübten Bewegungen, im Gespür für Oberflächen, im Wissen darüber, wie sich ein Material bearbeiten lässt. Jede neue Arbeit kann dieses Wissen aufnehmen und ihm eine andere Richtung geben.

Genau dort setzt Raksha Sanikam an. Die Designerin und Kuratorin gründete House of Santal in New York als Galerie und digitale Plattform für zeitgenössisches südasiatisches Design. Mit Roopantara richtet sie den Blick auf den Prozess des Machens: auf das Experiment, die Neuinterpretation und die Entscheidungen, durch die sich eine überlieferte Technik verändert.

Die Ausstellung stellt damit eine ebenso einfache wie produktive Frage: Wie bleibt eine Tradition lebendig? Die gezeigten Arbeiten legen nahe, dass ihre Zukunft auch davon abhängt, wie frei Gestalter mit ihr umgehen dürfen.

Das Ornament bekommt Bewegung

Bei Saira Yousaf und Shahbaz Lahore aus Lahore werden historische Ornamente räumlich und taktil. Arbeiten wie der Mountain Screen, die Ribbon Console oder der Undulating Mirror übersetzen dekorative Formensprachen in zeitgenössische Objekte. Das Ornament erhält Volumen; es wird Teil der Struktur eines Möbels.

Einen anderen Zugang wählt Veeram Shah aus Ahmedabad. Für seinen Button Masala Armchair verwendet er die von Anuj Sharma entwickelte Button-Masala-Technik. Sie ermöglicht textile Verbindungen ohne Nähen und schafft anpassbare Oberflächen. Das Handwerk steckt hier im Prinzip der Konstruktion – und in der Möglichkeit, eine Form weiterzuverändern.

Auch der KODO Table von Aaj und Khushi Patel aus Gandhinagar erzählt vom Entstehen. Material und bearbeitende Hand prägen seine Form gemeinsam. Der gestalterische Prozess bleibt dadurch ein wesentlicher Teil der Aussage des Objekts.

Materie mit Möglichkeiten

Die Ausstellung führt diese Überlegungen durch unterschiedliche Materialien und Maßstäbe weiter. Keerthi Tummala aus Hyderabad kombiniert Pyriteinlagen mit Stein und reflektierendem Chrom im Rock Pyrite Dining Table und im Ori Coffee Table. Mineralische Oberflächen und metallischer Glanz treten miteinander in Beziehung.

Abin Chaudhuri aus Kolkata untersucht in Urban Gravity und Lehar, wie vertraute Strukturen Spannung und Bewegung ausdrücken können. Nithika und Annanya Agarwal beschäftigen sich in Sylvan Echo und der Trace Console mit der Veränderung von Material über die Zeit. Die handgeknüpften Woll- und Seidenteppiche von Rug & Kilim erweitern den Blick um Motive, deren Neuinterpretation sich über eine textile Fläche entfaltet.

Zusammen entsteht ein vielstimmiges Bild südasiatischen Designs. Die Arbeiten verbindet eine Aufmerksamkeit für das, was bereits vorhanden ist: Techniken, Formen, Materialkenntnis. Ihre Eigenständigkeit entwickelt sich aus der Art, wie sie damit weiterarbeiten.

Darin liegt der Reiz von Roopantara. Die Ausstellung macht Veränderung an konkreten Objekten lesbar. Eine Verbindung wird anders gedacht, ein Ornament räumlich, ein Material neu kombiniert. Tradition erhält ihre nächste Form durch die Hände, die heute mit ihr arbeiten.

Roopantara: Matter in Metamorphosis, House of Santal, New York. 30. September bis 15. Dezember 2026. Weitere Informationen: Die Galerie präsentiert die Ausstellung als zweite Edition ihres Programms.

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