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Anna van den Hövel: Was Brüche hinterlassen

Vulkangestein, Erde und persönliche Erinnerungen: In ihrer Ausstellung LIFELINES in Hamburg lässt Anna van den Hövel Landschaft und Biografie ineinanderfließen.

Eine Landschaft lässt sich auf unterschiedliche Weise festhalten. Als Fotografie, als Erinnerung – oder als Staub, der von einer Reise mit nach Hause kommt. Anna van den Hövel nimmt solche Spuren mit ins Atelier. Vulkangestein, Erde und andere gesammelte Fragmente werden Teil ihrer Gemälde. Was draußen unter dem Einfluss von Zeit, Druck und Bewegung entstanden ist, wirkt auf der Leinwand weiter.

Vom 29. Oktober bis 27. November 2026 zeigt die Galerie Daniel und die Kunst in Hamburg mit LIFELINES Arbeiten der deutschen Malerin. Im Mittelpunkt stehen Bruchlinien: jene Verschiebungen, die Landschaften formen und auch im eigenen Leben Spuren hinterlassen.

Die Landschaft im Material

Markante Formationen ziehen sich durch van den Hövels Bilder. Flächen verdichten sich, brechen auf und treten beinahe körperlich hervor. Sie erinnern an Gesteinsschichten, Gebirgszüge oder Küsten, deren Konturen sich unter dem Einfluss unterschiedlicher Kräfte verändern.

Diese Nähe zur Landschaft beginnt bereits beim Material. Die Künstlerin verbindet ihre Fundstücke mit Acrylfarbe, Kohle, wiederverwendetem Lack und Mörtel. Die mitgebrachte Erde bringt eine eigene Beschaffenheit mit, das Gestein eine andere Dichte. Jede neue Schicht verändert die Bedingungen für die nächste.

So bleibt der Entstehungsprozess in den Arbeiten lesbar. Manche Stellen erscheinen offen und aufgerissen, andere kompakt oder versiegelt. Das Auge folgt Erhebungen, Vertiefungen und Linien, die sich durch die Bildfläche ziehen. Landschaft wird hier als etwas erfahrbar, das unablässig in Bewegung ist.

Vom Blick aus der Luft zur eigenen Erinnerung

Van den Hövel wurde 1996 geboren und wuchs zwischen München, den österreichischen Alpen und der Küste Menorcas auf. Diese unterschiedlichen Umgebungen prägen ihre Arbeit bis heute. Reisen liefern ihr visuelle Eindrücke und Begegnungen, aus denen sich im Atelier neue Zusammenhänge entwickeln. Auch auf ihrer Website beschreibt sie den künstlerischen Prozess als Fortsetzung ihrer Reisen.

Ein Ausgangspunkt ihrer Malerei sind Luftbildaufnahmen. Aus der Distanz werden Landschaften zu Flächen, Verläufen und Übergängen. Einzelheiten treten zurück, während größere Strukturen sichtbar werden. Dieses visuelle Vokabular überträgt van den Hövel in eine abstrakte Malerei, die sich zugleich aus persönlichen Erfahrungen speist.

Konkrete Ereignisse bleiben dabei unausgesprochen. Eine Reise wird nicht nacherzählt, ein Einschnitt nicht illustriert. Erlebtes geht in die Bearbeitung der Oberfläche ein: in die Entscheidung, eine Schicht aufzutragen, eine Stelle offenzuhalten oder eine bestehende Form wieder aufzubrechen. Äußere Eindrücke und innere Bewegung lassen sich im fertigen Bild kaum noch voneinander trennen.

Bruchlinien als formende Kräfte

LIFELINES verbindet die Vorstellung geologischer Verwerfungen mit den Übergängen einer Biografie. Der Titel lenkt den Blick auf Stellen, an denen Kräfte aufeinandertreffen und etwas in Bewegung gerät.

Darin liegt die Spannung dieser Arbeiten: Ein Riss kann eine Fläche unterbrechen und ihr zugleich eine neue Richtung geben. Eine Verdichtung kann etwas verschließen oder zum Ausgangspunkt einer weiteren Schicht werden. Veränderung zeigt sich als materieller Vorgang, dessen Spuren bestehen bleiben.

Van den Hövels Gemälde halten diese Prozesse offen. Wer ihren Linien folgt, kann darin Landschaften erkennen, Erinnerungen vermuten oder zunächst einfach Farbe und Material betrachten. Die mitgebrachten Fragmente haben ihren ursprünglichen Ort verlassen. Auf der Leinwand werden sie Teil einer neuen Geografie.

Ausstellung
Anna van den Hövel | LIFELINES
29. Oktober bis 27. November 2026
Daniel und die Kunst
Am Kaiserkai 30, 20457 Hamburg

Weitere Informationen zur Künstlerin

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