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Austrian Fashion Awards 2026: Fünf Positionen, fünf Fragen an die Mode

Was macht ein Kleidungsstück wertvoll? Welche Vorstellungen von Männlichkeit trägt ein Anzug? Und wie viel Persönlichkeit kann eine Tasche aufnehmen? Im Rahmen der Austrian Fashion Awards 2026 werden Arbeiten von fünf Designerinnen, Designern und Labels gezeigt, die mit einem Startstipendium Mode gefördert wurden. Ihre Entwürfe geben sehr unterschiedliche Antworten.

Wer bestimmt den Wert?

Für Hao Wu und Alexander Georg Lehner von Sale Sale Studio beginnt diese Frage bei etwas Vertrautem: einem Hemd, einer Anzughose und drei Stoffen. In ihrer ersten Kollektion Copy Paste werden die Ausgangsstücke kopiert, verändert und neu zusammengesetzt. Das Ergebnis spielt mit der Grenze zwischen Original und Nachahmung – und mit der Vorstellung, dass Originalität allein über den Wert von Kleidung entscheidet.

Auch Miranda Matondo, das Label von Marie Matondo und Danaide Miranda, interessiert sich dafür, welche Geschichten Materialien und Techniken erzählen. Die Kollektion Mosaico entstand nach einem Aufenthalt in Agadir. Sie verbindet Einflüsse des Flamenco mit Amazigh-Schmuckkunst und setzt auf Bewegung, Handwerk und kulturellen Austausch. Die Kleidung ist dabei nicht an binäre Geschlechterkategorien gebunden; sie lässt Raum für die Person, die sie trägt.

Menswear mit Erinnerung

Oliver Kuzma blickt auf historische Formen der Männermode und übersetzt sie in eine robuste Garderobe für die Gegenwart. Seine aktuelle Kollektion, angeregt durch die frühen Filme Guy Ritchies, beschäftigt sich mit den Bildern von Aristokratie und Arbeiterklasse. Ihn interessieren Kleidungsstücke, die genutzt werden dürfen und mit der Zeit eine eigene Patina bekommen.

Bei Paul Alexander Reisinger liegt die Vergangenheit im Material selbst. Er arbeitet überwiegend mit Vintage-Beständen und gebrauchten Stoffen, verbindet alpine und florale Bezüge mit klassischen Menswear-Silhouetten. So entstehen Entwürfe, in denen persönliche Erinnerung ebenso Platz hat wie eine offenere Vorstellung von Männlichkeit.

Viola Kollár richtet den Blick auf ein Accessoire, das uns oft täglich begleitet. Ihre Taschen sollen funktionieren, lange halten und zugleich eine eigene Präsenz haben. Handnaht, sorgfältig verarbeitete Lederkanten und wiederverwendete Materialien gehören zu einer Arbeit, in der handwerkliche Qualität und persönliche Bedeutung zusammenfinden.

Die fünf Positionen sind am 5. November 2026 bei den Austrian Fashion Awards in der Kunsthalle Wien im MuseumsQuartier zu sehen. Die Veranstaltung der Austrian Fashion Association zeigt damit auch, was aus gezielter Förderung entstehen kann: eigenständige Arbeiten, die vertraute Formen aufnehmen und ihnen neue Fragen stellen. Die Gewinnerinnen und Gewinner der diesjährigen Modepreise werden erst an diesem Abend bekannt gegeben.

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