Wie die Comcaac an Mexikos Sonoraküste ihr überliefertes Wissen bis heute bewahren
An der abgelegenen Küste der Sonora-Wüste im Norden Mexikos lebt eines der kleinsten indigenen Völker des Landes: die Comcaac, auch als Seri bekannt. Weniger als tausend Menschen bewahren hier bis heute eine Lebensweise, die seit Generationen eng mit Wüste, Meer und den Rhythmen der Natur verbunden ist. Der NOWNESS-Kurzfilm Un Canto por el Desierto („Ein Lied für die Wüste“) begleitet diese außergewöhnliche Gemeinschaft und zeigt, wie Kultur, Erinnerung und Spiritualität in einem einzigen Handwerk zusammenfinden.
Geflochtenes Wissen
Im Mittelpunkt des Films steht die traditionelle Korbflechterei der Comcaac-Frauen. Aus den Fasern der Torote-Pflanze – auch Elefantenbaum genannt – entstehen Gefäße, die seit Jahrhunderten den Alltag begleiten: Sie transportieren Wasser, Nahrung, Saatgut oder sogar Kinder.
Doch diese Körbe erfüllen weit mehr als einen praktischen Zweck. Jeder einzelne ist Ausdruck eines kulturellen Gedächtnisses, das über Generationen ausschließlich mündlich weitergegeben wurde. In den Mustern, Materialien und Techniken lebt das Wissen einer Gemeinschaft weiter, deren Identität untrennbar mit ihrer Landschaft verbunden ist.
„Die Körbe der Comcaac sind niemals nur Körbe. Sie sind Gefäße – für Samen, Früchte, Wasser, Kinder und manchmal auch für Geschichten aus einer anderen Welt.“
– Enrique M. Rizo
Zwischen Natur und Mythos
Gemeinsam mit Ana María, einer Angehörigen der Comcaac, die in ihrer Muttersprache Cmiique Iitom spricht, führt Regisseur Enrique M. Rizo den Zuschauer in eine Welt, in der Natur und Spiritualität nicht voneinander getrennt werden.
Lieder an den Wind, die Sonne, das Meer oder die Wüste sind keine Folklore für Besucher, sondern lebendiger Teil einer Weltsicht, in der jedes Element eine eigene Stimme besitzt. Der Film macht deutlich, dass sich kulturelles Wissen nicht ausschließlich in geschriebenen Archiven bewahren lässt – sondern ebenso in Ritualen, Erzählungen und handwerklichen Gesten.
Ein Porträt kultureller Widerstandskraft
Un Canto por el Desierto erzählt nicht nur von einer seltenen Flechttechnik. Es ist ein sensibles Porträt über Identität, weibliches Wissen und die Kraft kultureller Kontinuität. Gerade in einer Zeit, in der viele indigene Traditionen zu verschwinden drohen, erinnert der Film daran, dass Handwerk ein lebendiges Archiv sein kann – eines, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.
Wie so oft gelingt NOWNESS dabei kein dokumentarischer Bericht im klassischen Sinn, sondern eine poetische Annäherung an einen Ort und seine Menschen. Ein Film, der weniger erklärt als spüren lässt.







