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House of Santal: Schmuck wird Raum

Die Ausstellung „Shringara: The Second Skin“ in New York folgt den Spuren persönlicher Schmuckkultur – von Ohrringen und Textilien bis zu Tätowierungen. Daraus entstehen Möbel und Leuchten, die Geschichten in den Wohnraum tragen.

Ein Sideboard trägt Fransen, ein Barschrank erinnert an traditionellen Ohrschmuck, auf Tischbeinen finden sich abstrahierte Tätowierungen. In der kommenden Ausstellung von House of Santal wandern Formen, die mit dem Körper verbunden sind, in die Einrichtung. Mit dem veränderten Maßstab stellt sich eine interessante Frage: Wie viel von uns selbst steckt in den Dingen, mit denen wir unsere Räume gestalten?

Am 10. November 2026 soll „Shringara: The Second Skin“ mit einer Diwali-Feier eröffnen. Für ihre dritte Ausstellung versammelt die New Yorker Galerie Designschaffende aus Indien und Pakistan, die persönliche und kulturelle Ausdrucksformen in zeitgenössisches Collectible Design übersetzen. Schmuck, Kleidung und rituelle Zeichen bilden den Ausgangspunkt für Arbeiten über Erinnerung, Schutz und Zugehörigkeit.

Die Fransen einer Persönlichkeit

Besonders anschaulich wird dieser Gedanke bei Maya, einer Konsole von Aaj und Khushi Patel aus Gandhinagar. Nussbaum und durch Hitze gefärbter Stahl treffen auf einen üppigen Besatz aus Seidenmischfransen. Das Möbel ist angezogen. Seine textile Schicht erzählt von den Seiten einer Persönlichkeit, die wir zeigen, und jenen, die wir für uns behalten.

Auch Abin Chaudhuri aus Kolkata beschäftigt sich mit solchen Schichten. Sein Vastra Cabinet erhält eine Oberfläche aus übereinandergelegten, patchworkartig zusammengesetzten Elementen. Beim Alankaara Coffee Table nimmt er Bezug auf die Trajva-Tätowierungstradition der Rabari und überträgt deren Zeichen in abstrahierter Form auf die Tischbeine. Was ursprünglich auf der Haut getragen wird, prägt hier die Gestalt eines Alltagsgegenstands.

Vom Ohrschmuck zum Barschrank

Avani und Akshay Khurana greifen für ihren Kolam-Barschrank aus der ANI Collection auf zwei unterschiedliche Formensprachen zurück: den traditionellen Thandatti-Ohrschmuck aus Tamil Nadu und die Geometrie von Kolam-Mustern. In Teakholz und gealtertem Aluminium entwickeln sie daraus ein Möbel, das seine Referenzen über Material und Konstruktion weiterträgt.

Parminder Pal Singh aus Gurugram überführt wiederum Techniken traditioneller indischer Schmuckfertigung in Pendelleuchten. Seine Entwürfe Quilon, Madras und Mysore beziehen sich auf einen historischen Edelsteinhandelshafen in Kerala, auf gewebte Karomuster der Koromandelküste und auf die geschweiften Bögen des Palasts von Mysuru. Die Einflüsse reichen vom kleinen Schmuckstück bis zur Architektur; im Lichtobjekt erhalten sie einen gemeinsamen Maßstab.

Ein Sessel in seiner Hülle

Mit dem Verhältnis von Körper und Umfassung spielen Yousaf Shahbaz und Saira Ahsan aus Lahore. Für den Shell Chair setzen sie einen handgeschnitzten Rosenholzstuhl im Stil William IV. in einen Kubus aus gebürstetem Stahl. Die beiden Formen bleiben deutlich lesbar: innen die ausgearbeitete historische Silhouette, außen eine strenge geometrische Hülle.

Ihr Wheat Chair zeigt ein Weizenfeld aus Perlmutt auf Mahagoni. Die handbemalten Pebble Tables erinnern an Flusssteine des Ravi. Hier weitet sich die Perspektive von der persönlichen Schmuckkultur zu Landschaft und Erinnerung.

Gunjan Arora und Rahul Jain aus New Delhi bewegen sich zwischen Textil, Skulptur und Licht. Für die rund fünfeinhalb Meter lange Wandarbeit Pregnant Mysteries verwenden sie zusammengetragene Wolle, Seide, Leinen und Baumwolle. Hinzu kommen die auf Maserholz montierte Messingguss-Skulptur Aayam sowie die Lichtinstallationen Medhyaa und Ithika.

House of Santal wurde von der Designerin und Kuratorin Raksha Sanikam gegründet und widmet sich zeitgenössischem Design aus Südasien. Die Auswahl verbindet handwerkliches Wissen mit den individuellen Perspektiven heutiger Gestalterinnen und Gestalter. Bei „Shringara“ lässt sich diese Verbindung an einer einfachen Verschiebung ablesen: Fransen, Schmuckformen und Zeichen verlassen den Körper. Die Geschichten, die an ihnen haften, ziehen mit ein.

Weitere Informationen: House of Santal

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