Ein ehemaliges Filmtheater auf der Upper East Side wird zur Bühne für zeitgenössisches Design. Die dritte New Yorker Ausgabe von COLLECTIBLE verbindet experimentelle Gestaltung mit Bürofantasien und der räumlichen Welt der Mode.

Ein Kino ist darauf gebaut, unsere Aufmerksamkeit zu lenken. Hohe Räume, große Bilder, eine Welt, in die man für eine Weile eintaucht. Für ihre dritte New Yorker Ausgabe hat sich die Designmesse COLLECTIBLE einen solchen Ort ausgesucht: ein ehemaliges Filmtheater in der East 86th Street. Vom 6. bis 8. November 2026 werden dort Galerien und unabhängige Designstudios ihre Arbeiten präsentieren. Die Termine und das VIP-Preview am 5. November sind auf der offiziellen Website bestätigt.
Der Ortswechsel führt die Messe auf die Upper East Side, in die Nähe des Metropolitan Museum of Art, des Guggenheim und des Cooper Hewitt. Zeitgenössisches Design rückt damit in ein Viertel, dessen Museen, Galerien und Sammlungen seit Jahrzehnten mitprägen, wie Kunst betrachtet und eingeordnet wird. Das ehemalige Kino bietet dafür einen eigenen Rahmen: großzügige Raumvolumen und hohe Decken, die auch ausgreifenden gestalterischen Ideen Platz geben.
Objekte mit einer eigenen Geschichte
2018 in Brüssel von Clélie Debehault und Liv Vaisberg gegründet, konzentriert sich COLLECTIBLE auf Design des 21. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, in denen sich handwerkliches Wissen, Materialexperimente und eine eigenständige gestalterische Sprache verbinden.

Der Begriff Collectible Design beschreibt dabei auch eine besondere Art, auf Dinge zu schauen. Neben ihrer Funktion interessieren ihre Entstehung, ihre Materialität und die Gedanken, die in ihnen stecken. Ein Objekt kann einen Raum einrichten und zugleich eine Frage aufwerfen: Wie wollen wir leben? Welche Formen sind uns vertraut? Und weshalb eigentlich?
Die Messe nähert sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Richtungen. In der Main Section zeigen Galerien ihre Positionen zum zeitgenössischen Design. Die Bespoke Section bringt unabhängige Studios mit Menschen zusammen, die individuelle Arbeiten in Auftrag geben möchten – darunter Sammler:innen, Architekt:innen und Interior Designer:innen. Hier wird Gestaltung als Austausch sichtbar: zwischen einer Idee, einem konkreten Raum und den Menschen, die ihn nutzen.
Die seltsame Anziehungskraft des Büros
Einen besonders neugierigen Blick verspricht „Human Resources“, die von Alex Tieghi-Walker kuratierte Ausstellung innerhalb der Curated Section. Der Gründer von TIWA Select beschäftigt sich darin mit der Faszination für Büroräume im späten 20. Jahrhundert.

Das Büro erscheint als Schauplatz von Ehrgeiz, Arbeit und Repräsentation. Seine Einrichtung erzählt davon, wie Unternehmen sich sehen – und wie Menschen innerhalb dieser Strukturen gesehen werden möchten. Tieghi-Walker greift diese Welt auf und verwandelt sie in eine Landschaft unternehmerischer Fantasien.

Darin liegt eine reizvolle Verschiebung. Ein Umfeld, das im Alltag oft als selbstverständlich wahrgenommen wird, bekommt plötzlich Aufmerksamkeit. Was verraten Arbeitsräume über Status? Wie wird Erfolg räumlich dargestellt? Welchen Wert schreiben wir den Dingen zu, die uns während der Arbeit umgeben?
„Human Resources“ nimmt solche Fragen mit in das Feld des sammelbaren Designs. Gerade die vermeintliche Nüchternheit des Büros bietet dafür einen ergiebigen Ausgangspunkt.
Mode braucht Räume
Die Fashion Section richtet den Blick auf eine andere Welt der Inszenierung. Kuratiert wird sie 2026 von Lynette Nylander, Executive Digital Director von Harper’s Bazaar, Autorin und Creative Director, die zuvor unter anderem bei Dazed, i-D und Teen Vogue tätig war.

Ihr Schwerpunkt liegt auf Möbeln, Szenografien und Raumkonzepten für Stores und Laufstegpräsentationen. Denn die gestalterische Sprache einer Modemarke setzt sich über Kleidung hinaus fort: in der Art, wie ein Geschäft eingerichtet ist, wie eine Kollektion präsentiert wird und wie Menschen sich durch diese Räume bewegen.
COLLECTIBLE schafft hier Raum für Begegnungen und individuelle Auftragsarbeiten zwischen Designer:innen und Modeschaffenden. Die Fashion Section macht damit einen Bereich sichtbar, den man oft beiläufig wahrnimmt, obwohl er wesentlich daran beteiligt ist, wie Mode erlebt wird.

Ergänzt wird das Programm durch New Garde, eine Sektion für gemeinnützige Organisationen und Kollektive, die mit ungewöhnlichen Formaten arbeiten – vom Ladenlokal bis zur digitalen Plattform. Gespräche und Panels sowie das Fachprogramm Club COLLECTIBLE sollen weitere Verbindungen zwischen Gestalter:innen, Architektur und Interior Design schaffen.

Das ehemalige Kino passt zu dieser Ausgabe. Wo einst Filme den Blick auf andere Welten öffneten, übernehmen nun Objekte und Räume diese Aufgabe. Eine Bürolandschaft, ein Möbel für eine Modeinszenierung, eine individuelle Auftragsarbeit: Dinge, die zeigen, wie viel von unserem Leben in Gestaltung steckt.
COLLECTIBLE New York
6.–8. November 2026 · 210 East 86th Street, New York
VIP-Preview und Opening: 5. November
Weitere Informationen: collectible.design







