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Stone Island: Wem gehört die Geschichte einer Marke?

Eine Marke besitzt ihre Entwürfe. Aber wer bewahrt die Geschichten, die über Jahrzehnte um sie entstehen? Mit der Collector Series bei Selfridges in London gibt Stone Island unabhängigen Sammlern Raum für ihre eigene Sicht auf mehr als vierzig Jahre Modegeschichte.

Eine Jacke aus einer vergangenen Kollektion ist für Stone Island mehr als ein früheres Produkt. An ihr lässt sich ablesen, wie die Marke mit Materialien, Färbungen und Funktionen experimentiert hat. Für Menschen, die solche Stücke über Jahre suchen, tragen, tauschen und dokumentieren, erzählt sie noch eine zweite Geschichte: die ihres eigenen Fundes und der Community, durch die sie weitergereist ist.

Diese beiden Perspektiven treffen nun in London aufeinander. Unter dem Titel Selected Works ’982–’026: Stone Island – The Collector Series bespielt Stone Island vom 21. September bis 6. November 2026 den Corner Shop von Selfridges. Erstmals arbeitet die Marke dafür offiziell mit unabhängigen Sammlern zusammen, die ihr Archiv über Jahrzehnte mitbewahrt und interpretiert haben.

Ein Archiv mit vielen Stimmen

Arco Maher, Better Gift Shop, ‘bout, 194 Local, Louis Holsgrove, Metallic Curtain, Pezze und SimJae bringen ihre eigenen Archive und Recherchen in das Projekt ein. Ihre Auswahl wechselt während der Laufzeit und steht im Dialog mit der Herbst/Winter-Kollektion 2026/27 sowie Entwürfen, die exklusiv bei Selfridges angeboten werden. So begegnen sich im selben Raum ältere Stücke, aktuelle Forschung und neue Produkte.

Das ist der interessante Schritt: Stone Island zeigt seine Vergangenheit nicht ausschließlich aus der Sicht des Unternehmens. Die Sammler haben andere Wege durch dieses Archiv gefunden. Sie interessieren sich für bestimmte Materialien, seltene Ausführungen oder Phasen der Marke und bringen Wissen mit, das aus jahrelanger Beschäftigung mit den Kleidungsstücken entstanden ist. Ihre Auswahl macht sichtbar, dass ein Markenarchiv auch außerhalb der Marke weiterlebt.

Ein Raum, der sich verändert

Gestaltet wurde die Installation von Willo Perron. Weiche Strukturen und modulare Elemente lassen sich immer wieder neu anordnen, während Sammler und Stücke wechseln. Der Raum folgt damit dem Prinzip des Projekts: Dieses Archiv hat keine einzige, endgültige Form.

Auch das Programm greift über Mode hinaus. Stone Island kündigt Veranstaltungen zu Musik und Design an, darunter eine Londoner Ausgabe von Stone Island Sound: Studio One und ein Gespräch mit Carlo Rivetti, Paul Harvey und Aitor Throup. Die Collector Series wird so zu einem Treffpunkt für Menschen, die sich mit der Entwicklung der Marke auseinandersetzen – vom Entwurf bis zu ihrem kulturellen Nachleben.

Eine Frage bleibt dabei besonders spannend: Was geschieht, wenn eine Marke jene unabhängige Sammlerkultur einlädt, die bisher ihre eigene Geschichte geschrieben hat? Bei Stone Island entsteht daraus vorerst ein ungewöhnlich offener Blick auf die Vergangenheit. Die Archive gehören Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Perspektiven. Für einige Wochen erzählen sie gemeinsam, was Stone Island für sie geworden ist.

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