Was, wenn wir die Welt einmal anders betrachten – kopfüber auf der Yogamatte, angelehnt an sonnenwarme Steine, atemlos im kalten Wasser und mit Blick auf eine Kirche, die uns daran erinnert, dass Perspektive auch bedeutet, zu wissen, wo man steht.

Ankommen
Der Weg ins Hotel Schwarzschmied führt durch die Gassen von Lana. Ein Stück Alltag ist noch mit im Gepäck. Dann biegen wir ab – und plötzlich verändert sich die Szenerie. Es ist ein Ort, der mehr Postkarte ist als Wirklichkeit. Weinreben ziehen geradewegs auf eine malerische Kirche zu, Rosmarin und Lavendelduft ziehen durch die Luft und im Pool zieht jemand seine Bahnen. Mit schützenden Armen empfängt uns das sanft gebogene Hotelgebäude.



Die Kaffeemühle ertönt im Hintergrund. Und abends ertönen jetzt auch Sounds bei der Vinyl Hour. Helles Holz, Vintage-Teppiche und ein Hauch von Palo Santo mischen sich mit der Vorfreude, das Zimmer zu erkunden: es ist leicht und erdend zugleich. Hier und da sind stilisierte Personen mit schwarzen Konturen zu erkennen – an den Wänden, auf der Zimmerkarte… In gewohnten und ungewohnten Positionen. Es ist eine Einladung des Künstlers Hannes Egger, die Perspektive zu wechseln. Was mag geschehen, wenn man die Welt anders betrachtet. Stehend auf einem Hocker, einen Arm in die Höhe streckend.



Sonnengruß
Oder kopfüber im Yoga? Im Glashaus. Das muss man erlebt haben. War es Magie? Um 7:30 Uhr auf der Matte zu stehen, klingt verrückt, für jemanden, der gerne lange schläft. Die Neugier war größer als der Wunsch auszuschlafen.



Die Belohnung: ein alter Holzboden, verwurzelnd, holt uns auf den Boden zurück. Ein feiner Windzug weht die Müdigkeit weg. Ein Sonnengruß spielt mit dem Licht. Im Glashaus wachsen wir und rundherum wachsen schwarze Tomaten und riesige Zucchini. Vögel zwitschern und dann schlagen die Kirchenglocken mit ein. Wenn sie läuten, dann machen sie das nie nebenbei. Ihre Präsenz überträgt sich. Unüberhörbar.


Zeit, loszulassen
Dong Dong Dong, das Geräusch der Kugelbahn aus Holz in der Jurte gibt auch den Kleinen ihren eigenen Rhythmus vor. Achtsam schwimmen wir der Kirche entgegen. Was uns festhält, verdampft, im dunklen Nebel des Dampfbades. Und in der klaren Hitze der Sauna. Wer wagt noch den Cold Plundge ins kalten Becken? Eine Überwindung, die uns wachsen lässt.



Wenn der Hunger kommt, lehnen wir uns draußen an die aufgewärmten Steine, gabeln Pasta auf und fordern die Zunge mit den Kontrasten, die der Affogato für uns bereithält: süß und bitter – heiß und kalt. Später bestellen wir einen Negroni. Soll es dann noch einer sein?



Wir spüren in uns hinein. Und merken: Vielleicht braucht es nicht immer noch mehr. Die Koffer sind fast gepackt. Und mit ihnen Erinnerungen, die nach Rosmarin duften. Sind wir dieselben wie die, die hier angekommen sind? Ein letzter Blick zurück. Die Glocken läuten. Wir fahren los. Und die Gedanken klingen nach.

Fotos: Ana Santl, Victoria Harrison, Isa Rus, Marlene Mauer, Lena Heckl Franziska Unterholzner, Steffen Metzger, Mel Bollag







