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Zwischen Fels und Himmel

Die KK3 Residences von VAstudio fügen sich still und selbstbewusst in die raue Schönheit der kretischen Berglandschaft ein – eine Hommage an die Natur, das kulturelle Erbe und den Luxus der Einfachheit.

Oben an den Berghängen von Stalos, unweit der historischen Hafenstadt Chania auf Kreta, dort wo sonnen- und meerhungrige Urlauber entweder mit der Fähre ankommen oder mit dem Flugzeug landen, scheinen die KK3 Residences förmlich aus dem felsigen Gelände herausgewachsen zu sein. Das Athener Büro VAstudio, mit Wurzeln und Hauptsitz in Chania, hat dort ein Wohnensemble geschaffen, das nicht nur durch seine ästhetische Zurückhaltung, sondern vor allem durch seine tiefe Verbindung zum Ort beeindruckt.

KK3 Residences: Gebäude, die dazugehören

Die drei individuell gestalteten Häuser, eingebettet in die wilde Topografie der Insel, sind Ausdruck einer Architekturhaltung, die dem Genius Loci nicht nur Rechnung trägt. Nein, er erhebt ihn zum zentralen Gestaltungsprinzip. Denn anstatt sich der Umgebung aufzudrängen, lässt sich VAstudio von ihr führen – in Form, Materialität, Farbgebung und Atmosphäre. Das Ergebnis: Gebäude, die nicht dominieren, sondern dazugehören.

KK3 Residences
Die drei Wohnhäuser sehen von außen zwar fast alle gleich aus – innen jedoch variieren die Grundrisse.

Schon aus der Ferne wirken die KK3 Residences wie ein organischer Teil der Landschaft. Ockerfarbene Steinmauern, verputzte Flächen in Lehm- und Kalktönen und hölzerne Details nehmen die sonnenverwaschene Farbpalette der umliegenden Berge auf. Die Texturen sind rau, erdig, handwerklich – fast so, als wären sie schon immer da gewesen.

Absage an museale Repliken

Die Architekten von VAstudio wollten keine museale Replik traditioneller kretischer Bauweisen schaffen, sondern deren Essenz neu interpretieren: Schlichtheit, Dauerhaftigkeit, Materialehrlichkeit. „Es geht nicht um Nostalgie“, betont das Büro, „sondern um zeitgenössische Resonanz.“

KK3 Residences
Die Häuser scheinen wie eine Fortsetzung des Erdreichs zu sein. Die verwendeten Materialien sind lokaler Kretastein, Kalkputz und Holz.

Die KK3 Residences reagieren auf die Topografie: Sie schmiegen sich horizontal an den Hang. Und andererseits wachsen sie kompakt in die Höhe – wie aus dem Felsen herausgemeißelt. Jede der drei Residenzen ist individuell entworfen – mit einem jeweils spezifischen Grundriss.

Allen gemeinsam ist eine architektonische Sprache, die mit natürlichen Übergängen arbeitet: Innenhöfe, tiefe Überhänge, offene Wohnbereiche und großzügige Fensterflächen schaffen fließende Grenzen zwischen innen und außen.

KK3 Residences
Anstatt sich der Umgebung aufzudrängen, lässt sich VAstudio von ihr führen – in Form, Materialität, Farbgebung und Atmosphäre.
KK3 Residences
Und anstelle exotischer Zierpflanzen setzt VAstudio auf einheimische Vegetation: Olivenbäume, niedrige Sträucher, Palmen.

Diese fließende Raumdramaturgie ermöglicht ein Leben im Rhythmus des Ortes. Morgensonne auf der Terrasse, ein Kaffee mit Blick auf das Kretische Meer, Zikadenklänge im Olivenhain … Es sind Bilder des bewussten Verweilens, die hier zum baulichen Konzept werden.

Raum für Ruhe, Rückzug und Reflexion

Die KK3 Residences sind Rückzugsorte. Kein Ort für Hast oder Spektakel, sondern für Stille und Langsamkeit. Schattige Lounges, überdachte Terrassen und tiefer gelegte Innenhöfe schaffen intime Zonen im Freien. Sie sind ebenso bedeutungsvoll wie die Innenräume selbst. Die Architektur tritt in den Dialog mit Wind, Sonne und Ausblick. Jeder Raum ist darauf ausgelegt, die Natur zu rahmen – nicht zu kontrollieren.

Auch im Inneren wird diese Haltung spürbar. Reduzierte Materialität, handgefertigte Details und eine zurückhaltende Farbpalette prägen das Ambiente. Holzbalkendecken, Terrazzoböden, Steinoberflächen und maßgefertigte Möbel zeugen von einem leisen, fast meditativen Luxus. Die Innenräume sind nicht Kulisse, sondern Lebensraum. Und zwar einer, der sich an den Bedürfnissen der Bewohner und Nutzerinnen orientiert, nicht an Trends.

Nachhaltigkeit ohne Schlagzeilen

Was auffällt: In einer Zeit, in der ökologische Konzepte oft plakativ inszeniert werden, ist die Nachhaltigkeit der KK3 Residences leise – dafür aber tiefgreifend. Die dicke Steinbauweise wirkt als thermische Masse und reguliert das Raumklima ganzjährig. Die Kühlung ist passiv.

Große Fenster und durchdachte Öffnungen ermöglichen Querlüftung und reduzieren den Bedarf an mechanischer Klimatisierung. Tiefe Überhänge schützen vor der hochstehenden Mittelmeersonne, während die Ausrichtung der Gebäude sowohl Blickbeziehungen als auch solare Energiegewinnung optimiert.

KK3 Residences
Die Kühlung der KK3 Residences ist passiv.

Die Landschaftsgestaltung ist bewusst zurückhaltend. Anstelle exotischer Zierpflanzen setzt VAstudio auf einheimische Vegetation: Olivenbäume, niedrige mediterrane Sträucher, lokale Palmen. So verschmelzen Architektur und Natur zu einer Einheit, die sich nicht als Eingriff, sondern als Erweiterung des Ökosystems versteht.

Keine Prestigeobjekte

Die kulturelle DNA der Insel Kreta ist in den KK3 Residences tief eingeschrieben. So fand Vastudio etwa Inspiration aus den umliegenden kretischen Klosteranlagen und Bauernhöfen – mit ihren dicken Mauern, introvertierten Höfen, klaren Volumina. Doch das Architekturbüro transformiert diese Anleihen in eine zeitgemäße Formensprache. Hier wird nicht rekonstruiert, sondern respektvoll weiterentwickelt.

Diese Balance zwischen Altem und Neuem, zwischen kulturellem Gedächtnis und architektonischer Gegenwart, prägt die Häuser. Das Ergebnis ist eine wohltuende, neue, mediterrane Wohnkultur. Weniger ist eben manchmal doch mehr als Repräsentierenwollen, Stille kann auch ein Statement sein.

VAstudio gelingt es, mit sparsamen Mitteln eine starke, verdichtete Atmosphäre zu schaffen. In einer Zeit, in der Architektur oft um Sichtbarkeit kämpft, ist das fast schon radikal.

Text: Linda Benkö
Fotos: VAstudio

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