Zwischen unvollendeten Gebäuden und gelebter Realität erzählt der Kurzfilm Liminal von NOWNESS eine Geschichte über Räume, die weder Vergangenheit noch Zukunft sind. In Accra wird Architektur dabei nicht zur Kulisse, sondern zum Gegenüber einer Performerin, deren Körper die Spannungen einer Stadt sichtbar macht.
Zwischen Aufbruch und Stillstand
Accra gilt als eine der dynamischsten Metropolen Westafrikas. Die ghanaische Hauptstadt wächst rasant, verändert sich beinahe täglich und steht zugleich vor Herausforderungen, die viele schnell wachsende Städte teilen. Unvollendete Bauprojekte, vernachlässigte Infrastruktur und Orte, die scheinbar auf ihre Zukunft warten, gehören ebenso zum Stadtbild wie neue Visionen.
Genau in diesem Spannungsfeld setzt der Kurzfilm Liminal an. Regisseurin und bildende Künstlerin Naafia Naahemaa verlegt die Handlung in einen nie fertiggestellten brutalistischen Bau. Sichtbeton, offene Treppenhäuser und freistehende Pfeiler bilden eine Architektur, die weder verlassen noch belebt wirkt – ein Ort im Schwebezustand.
Der Körper als Spiegel der Stadt
Im Zentrum steht die Performance-Künstlerin Nana Yaa Poku Asare-Boadu. Ihre Bewegungen folgen keiner klassischen Choreografie. Stattdessen entstehen sie unmittelbar aus der Begegnung mit dem Gebäude selbst. Jeder Schritt, jede Pause und jede Geste scheint auf den Raum zu reagieren und macht sichtbar, wie eng Architektur und menschliche Erfahrung miteinander verbunden sind.
Begleitet von der atmosphärischen Komposition von Malick Koly entwickelt sich ein Dialog zwischen Körper und Bauwerk. Die Architektur wirkt dabei nicht statisch, sondern beinahe lebendig – als würde sie auf jede Bewegung antworten.
Der Film verzichtet bewusst auf eindeutige Botschaften. Stattdessen eröffnet er einen emotionalen Erfahrungsraum, in dem Fragen nach Entwicklung, Veränderung und gesellschaftlicher Verantwortung körperlich erfahrbar werden.
Räume, die Geschichten speichern
Liminal entstand nicht isoliert von seinem Umfeld. Gespräche mit Bewohnerinnen einer in den 1960er-Jahren errichteten Wohnsiedlung im Stadtteil Kaneshie flossen in das Projekt ein. Ihre Erfahrungen mit Verdrängung, ungeklärten Besitzverhältnissen und schleichendem Verlust öffentlicher Infrastruktur bilden den unsichtbaren Hintergrund der Performance.
Gerade dadurch gewinnt der Film an Tiefe. Die Architektur erzählt nicht nur von Beton und Konstruktion, sondern von Erinnerungen, Hoffnungen und den Spuren gesellschaftlicher Entwicklungen.
Wie viele der außergewöhnlichen Kurzfilme auf NOWNESS bewegt sich Liminal zwischen Kunstfilm, Architekturbetrachtung und Performance. Das Ergebnis ist kein klassischer Dokumentarfilm, sondern eine poetische Reflexion darüber, wie Menschen Räume prägen – und wie Räume wiederum ihre Bewohner formen.







