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Hotel Lucile: Eine Kirche wird zum neuen Treffpunkt von Silver Lake

In Los Angeles hat die Boutiquehotelgruppe Casetta eine Kirche aus dem Jahr 1931 in ein Hotel mit 25 Zimmern verwandelt. Das Hotel Lucile bewahrt Buntglasfenster, Kreuz und Kirchengewölbe – und schenkt Silver Lake einen neuen Ort für Kunst, Kulinarik und Begegnung.

Es gibt Gebäude, deren Geschichte sich nicht einfach überschreiben lässt. Sie bleibt in den Mauern, im Licht, in der besonderen Stille eines Raumes. Beim neuen Hotel Lucile in Los Angeles ist sie allgegenwärtig: in den hohen Gewölben, den restaurierten Buntglasfenstern, den alten Holzbalken und selbst im Kreuz auf dem Dach, das weiterhin bei Nacht leuchtet.

Fast ein Jahrhundert lang prägte die 1931 errichtete Bethany Presbyterian Church die Ecke von Lucile Avenue und Griffith Park Boulevard. Nach wechselnden Nutzungen und mehreren Jahren Leerstand begann für das Gebäude nun ein neues Kapitel. Die kalifornische Boutiquehotelgruppe Casetta verwandelte die ehemalige Kirche und das zugehörige Gemeindehaus in ein intimes Hotel mit 25 Zimmern, Restaurant, Café, Pool und Dachterrasse. Am 14. September 2026 öffnete das Hotel Lucile offiziell seine Türen.

Eine behutsame Form der Verwandlung

Für Architektur und Interior Design zeichnet das in Venice ansässige Studio Electric Bowery unter der Leitung von Lucia Bartholomew und Cayley Lambur verantwortlich. Ihr Entwurf folgt keiner inszenierten Kirchenästhetik. Vielmehr bewahrt er die Würde und räumliche Kraft des Bestands, während neue Farben, Möbel und Kunstwerke eine selbstbewusste Gegenwart einziehen lassen.

Die ursprünglichen Holzböden, Stahlfenster, Bögen und Deckenkonstruktionen wurden weitgehend erhalten. Juwelentöne treffen auf warmes Holz, historische Details auf maßgefertigte Sitzlandschaften und Vintage-Mobiliar. Electric Bowery beschreibt die Atmosphäre als eine Verbindung aus europäischer Villa, Ausstellungshaus und dem privaten Zuhause eines Galeristen – ein Ort, der kultiviert wirkt, ohne die entspannte Haltung von Los Angeles zu verlieren.

Wo früher die Gemeindeschule untergebracht war, liegen heute die Gästezimmer. Die Kategorien reichen vom kompakten Petit King über Signature- und Loft-Zimmer bis zur rund 50 Quadratmeter großen Lucile Suite mit Wohnbereich und privatem Innenhof. Helle, bewusst reduzierte Räume, Vintage-Stücke, handgefertigte Leuchten, Parachute-Bettwäsche und Pflegeprodukte von Aesop bestimmen das Bild.

Ein Hotel als bewohnte Galerie

Kunst ist im Hotel Lucile nicht Dekoration, sondern Teil der Identität. Mehr als 100 zeitgenössische Arbeiten sind über das Haus verteilt, viele davon können erworben werden. In den Zimmern und Gemeinschaftsräumen finden sich Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus Los Angeles; wechselnde Ausstellungen und Artist-in-Residence-Programme sollen das Hotel langfristig mit der lokalen Kulturszene verbinden.

Besonders eindrucksvoll sind zwei großformatige Wandgemälde der klassisch ausgebildeten Ölmalerin Erin Lynn Welsh. Eines erinnert in tiefen Rottönen an den Eaton Canyon und die verheerenden Brände von 2025, das andere übersetzt die heimische Vegetation des Elysian Park in eine grüne Landschaft. So wird das Haus auch zu einem visuellen Porträt seiner Stadt.

Southern France trifft American South

Das räumliche und gesellschaftliche Zentrum des Hotels befindet sich im ehemaligen Kirchenschiff. Dort ist mit Sous Sous ein Restaurant entstanden, das südfranzösische Küche mit kulinarischen Einflüssen aus den amerikanischen Südstaaten und kalifornischen Produkten verbindet.

Chef Patrick Costa und Beverage Director Lee Zaremba servieren unter anderem Austern mit Espelette-Pfeffer, Bouillabaisse, Hush Puppies mit Honigbutter sowie Gemüse vom Farmers Market. Einige Kräuter wachsen direkt im Dachgarten des Hotels. Die Bar erinnert mit ihrer hohen, symmetrischen Form subtil an eine Kirchenorgel; auf der Karte stehen französische Weine kleiner Produzenten und Cocktails wie eine Green Tomato Margarita oder eine mit Kokos verfeinerte Interpretation des Sazerac.

Der frühere Chorraum wurde zu einer Lounge für Kaffee und Drinks, der Orgelboden dient heute als Meeting- und Veranstaltungsbereich. Hinzu kommen ein kleiner, beinahe verborgen wirkender Pool und eine nur Hotelgästen zugängliche Dachterrasse mit Blick über Silver Lake bis zur Skyline von Downtown Los Angeles.

Ein kleines Haus für die Nachbarschaft

Casetta – der Name bedeutet auf Italienisch „kleines Haus“ – hat sich auf die Wiederbelebung charaktervoller Gebäude spezialisiert. Zum Portfolio gehören unter anderem Casa Cody in Palm Springs, The Surfrider in Malibu, The Pearl in San Diego, Marina Riviera am Big Bear Lake und Hotel Willa in Taos.

Auch das Hotel Lucile möchte nicht allein Unterkunft sein. Sunday Brunches, Ausstellungen, ein Run Club, lokale Field Guides und kulturelle Programme sollen Gäste und Nachbarschaft zusammenbringen. Das ist gerade in Silver Lake von Bedeutung: Das kreative Viertel im Osten von Los Angeles besitzt zwar eine lebendige Restaurant-, Design- und Musikszene, verfügte bisher jedoch nur über wenige anspruchsvolle, kleinere Hotels.

Das Hotel Lucile gibt dem Viertel nun einen Ort, der seine Geschichte nicht museal konserviert, sondern weiterleben lässt. Aus einem ehemaligen Gotteshaus ist wieder ein Haus der Gemeinschaft geworden – offen für Reisende, Künstler, Nachbarn und all jene, die Los Angeles lieber aus der Nähe als aus der Distanz kennenlernen.

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