Im Bumburet Valley im Norden Pakistans begleitet Regisseurin Bea Austin die 20-jährige Alina. Ihr Film erzählt von einer jungen Generation der Kalasha, die zwischen jahrhundertealten spirituellen Traditionen, gesellschaftlichem Wandel und der digitalen Welt ihren eigenen Weg sucht.
Wie bewahrt man eine Kultur, ohne sich der Gegenwart zu verschließen? Im Bumburet Valley, umgeben von den mächtigen Bergen des Hindukusch und nahe der Grenze zu Afghanistan, bekommt diese Frage eine besondere Dringlichkeit.
Hier leben die Kalasha, die kleinste ethnische Minderheit Pakistans. Ihre polytheistische Religion, ihre Rituale, Feste und Traditionen unterscheiden sie deutlich von der muslimischen Mehrheitsgesellschaft des Landes. Doch ihre Lebensweise gerät zunehmend unter Druck. Klimawandel, politische Instabilität, gesellschaftliche Veränderungen und der Druck zur Konversion bedrohen eine Kultur, die über Jahrhunderte hinweg ihre Eigenständigkeit bewahrt hat.
Gleichzeitig zieht es immer mehr junge Kalasha in die Städte – und über Smartphones und Social Media kommt die Welt ohnehin längst zu ihnen.
Eine junge Frau zwischen zwei Welten
Für ihren Kurzfilm Alina reist Regisseurin Bea Austin in ein Dorf im Bumburet Valley und begegnet dort der 20-jährigen Alina. Statt den vermeintlichen Gegensatz zwischen Tradition und Moderne zu inszenieren, richtet der Film seinen Blick auf etwas Interessanteres: die Möglichkeit, beides gleichzeitig in sich zu tragen.
Alina wächst mit den spirituellen Vorstellungen und Bräuchen ihrer Gemeinschaft auf und ist zugleich Teil einer Generation, für die Social Media und globale Popkultur selbstverständlich geworden sind. Ihre Identität scheint deshalb weniger an einen bestimmten Ort gebunden zu sein als an das Bewusstsein darüber, woher sie kommt.
„Alina erklärte, dass ihre Identität in ihrem Glauben verwurzelt ist und dass sie ihr kulturelles Erbe überallhin mitnehmen wird. Mich hat berührt, wie sehr das der Vorstellung der Kalasha vom Tod ähnelt – dem Glauben daran, dass Geist und Traditionen in den Zurückbleibenden weiterleben.“
— Bea Austin
Kultur in Bewegung
Gerade darin liegt die Stärke von Alina. Der Film erzählt kulturelle Bewahrung nicht als Stillstand. Denn vielleicht bedeutet Tradition heute nicht zwangsläufig, dort zu bleiben, wo frühere Generationen gelebt haben.
Während sich die Lebenswelt der Kalasha verändert und manche ihrer überlieferten Strukturen langsam verschwinden, zeigt Alina eine junge Frau, die ihre Herkunft nicht als Grenze versteht. Alinas Weg mag sie eines Tages an einen anderen Ort führen. Ihre Geschichte macht jedoch deutlich, dass kulturelle Identität mitreisen kann.
So wird das Porträt einer jungen Kalasha auch zu einer größeren Geschichte über eine Generation, die zwischen Herkunft und Zukunft ihren eigenen Platz sucht.
Film: Alina | Regie: Bea Austin | via NOWNESS








