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GIBSON VON CATTELAN ITALIA

Ein Sofa ohne Vorder- und Rückseite

Was passiert, wenn Möbel uns nicht länger vorschreiben, wie ein Raum genutzt werden soll? Mit Gibson machen Cattelan Italia und Designer Sergio Bicego das Sofa zum offenen System – weich, skulptural und bereit, seine Richtung zu ändern, sobald das Leben es tut.

Es gab eine Zeit, in der das Wohnzimmer einer ziemlich eindeutigen Choreografie folgte. Sofa an die Wand. Couchtisch davor. Fernseher gegenüber. Alles hatte seinen Platz – und im wahrsten Sinne des Wortes seine Richtung.

Unser Leben ist weniger vorhersehbar geworden. Wir arbeiten dort, wo wir entspannen, treffen uns dort, wo wir wohnen, und ziehen uns an Orte zurück, an denen wir gerade noch gemeinsam Zeit verbracht haben. Räume sind fließender geworden. Vielleicht sollten es die Dinge darin ebenfalls sein.

Mit Gibson hat Designer Sergio Bicego für Cattelan Italia ein modulares Sitzsystem entworfen, das diesen Gedanken erstaunlich konsequent verfolgt. Statt ein weiteres Sofa zu gestalten, das einen vorgegebenen Platz im Raum einnimmt, entwirft er beinahe eine Landschaft.

Eine Landschaft, die sich verändern darf.

Keine Vorderseite. Keine Rückseite.

Gibson setzt sich aus unabhängigen, gepolsterten Volumen zusammen. Sitze, Rücken- und Armlehnen lassen sich entsprechend der jeweiligen Architektur kombinieren und neu positionieren. Selbst ihre Funktionen sind nicht endgültig festgelegt: Eine Armlehne kann zur Rückenlehne werden, zusätzliche Module verlängern den Sitz zur Chaise Longue.

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Der vielleicht interessanteste Gedanke liegt jedoch im Verschwinden der klassischen Unterscheidung zwischen vorne und hinten.

Als doppelseitiges Sofa lässt sich Gibson aus unterschiedlichen Richtungen nutzen. Statt auf einen einzigen Fixpunkt im Raum ausgerichtet zu sein, kann es verschiedene Bereiche miteinander verbinden. Plötzlich ist das Sofa keine Grenze mehr.

Es wird zur Schnittstelle.

Dieser kleine Perspektivwechsel erzählt viel über zeitgenössische Innenräume.

Architektur soll heute innerhalb ein und desselben Raumes unterschiedliche Zustände ermöglichen: Kommunikation und Rückzug, Konzentration und Entspannung, Bewegung und Ruhe. Gibson beantwortet diese Anforderungen nicht mit zusätzlicher Komplexität, sondern indem es Möglichkeiten offenlässt.

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Möbel werden zu Architektur

Besonders deutlich wird das außerhalb des privaten Wohnraums. Cattelan Italia sieht Gibson auch für Hotellounges und Lobbys, Retail-Flächen, hybride Arbeitswelten und gemeinschaftlich genutzte Räume vor – also überall dort, wo Möbel im Laufe eines Tages unterschiedliche Aufgaben übernehmen müssen.

Die einzelnen Module können in größeren Räumen Inseln schaffen, ohne dass dafür fixe Wände oder starre Trennungen notwendig werden. Sie lassen sich kombinieren, drehen und neu arrangieren – für Kommunikation ebenso wie für Ruhebereiche oder strukturiertere Warte- und Empfangssituationen.

Hier beginnt Möbelgestaltung beinahe unmerklich in Innenarchitektur überzugehen.

Gibson möbliert den Raum nicht nur. Es komponiert ihn.

Eine Komposition aus Rhythmus

Dass dieser Begriff passt, ist kein Zufall. Der Name Gibson ist von der Welt der Musikproduktion inspiriert und spielt mit Begriffen wie Rhythmus, Modulation und Harmonie. Die einzelnen Elemente funktionieren beinahe wie Noten einer Partitur: Ihre Beziehungen zueinander können sich verändern, ohne dass die Komposition ihre Identität verliert.

Dieser konzeptionellen Offenheit stellt Sergio Bicego eine ausgesprochen weiche Formensprache gegenüber.

Großzügige Sitze treffen auf abgerundete Kanten; gesteppte Details betonen Volumen und Weichheit der Polyurethanpolsterung. Lose Kissen sind in der Stoffpalette von Cattelan Italia erhältlich und können bewusste farbliche Kontrapunkte setzen oder in Ton-in-Ton-Kombinationen feine Nuancen innerhalb einer Farbwelt erzeugen. Ergänzt werden kann das System durch ein Couchtischmodul aus Keramik.

Das Ergebnis wirkt einladend statt technisch. Gibson ist modular, sieht aber nicht nach einem Möbel aus, das erst noch konfiguriert werden muss. Seine technische Logik verschwindet hinter seiner Weichheit.

Für Veränderung entworfen

Vielleicht liegt genau darin Gibsons zeitgemäßeste Qualität.

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Gutes Design wurde lange mit Beständigkeit verbunden. Doch Beständigkeit muss nicht Stillstand bedeuten. Ein Objekt kann gerade deshalb lange bestehen, weil es auf neue Situationen reagieren kann.

Gibson wurde für diese Entwicklung konzipiert. Jedes einzelne Modul lässt sich unabhängig neu positionieren, sodass sich das System an veränderte Räume, Funktionen und Gewohnheiten anpassen kann. Cattelan Italia greift dafür erneut auf ein musikalisches Bild zurück: eine fortlaufende Komposition aus Volumen und Leerräumen, Präsenz und Leichtigkeit, Klang und Stille.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem aus einem Sofa mehr wird als ein Sofa.

Eine Einladung, nicht alles im Voraus festlegen zu müssen.


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