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Was bleibt, wenn die Maschine übernimmt?

Forward Festival Wien 2026: Am 1. und 2. Oktober wird das Gartenbaukino wieder zum Treffpunkt der internationalen Kreativszene. Annie Atkins, Mirko Borsche und mehr als 25 Speaker:innen sprechen über Design, Autorenschaft und eine Frage, die plötzlich fast alle Kreativberufe betrifft: Was kann die Maschine – und wofür braucht es weiterhin den Menschen?

Es ist eine Frage, die Designer:innen, Fotograf:innen, Künstler:innen, Architekt:innen und Agenturen längst nicht mehr theoretisch diskutieren können. Generative KI produziert Bilder in Sekunden, entwickelt Varianten, imitiert Ästhetiken und verändert damit nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch die Vorstellung davon, was kreative Arbeit eigentlich wert ist.

Beim Forward Festival Wien am 1. und 2. Oktober 2026 wird genau diese Verschiebung zum Ausgangspunkt für Gespräche über die Zukunft der Kreativität.

Nach Stationen in Berlin und Frankfurt kehrt Forward zum Saisonabschluss ins Wiener Gartenbaukino zurück – dorthin, wo die Geschichte des Festivals 2015 begann. Aus der ersten Wiener Ausgabe wurden inzwischen 35 Festivals in europäischen Städten, mehr als 600 Speaker:innen und eine Community von rund 50.000 Kreativen aus 70 Nationen.

Die Handschrift hinter den Bildern

Besonders spannend wird die Frage nach menschlicher Autorenschaft bei zwei Gästen, deren Arbeiten viele kennen dürften – auch wenn ihre Namen einem breiteren Publikum weniger geläufig sind.

Annie Atkins erschafft jene grafischen Welten, die wesentlich zur unverwechselbaren Ästhetik der Filme von Wes Anderson beitragen. Schriftzüge, Dokumente, Verpackungen und andere grafische Requisiten entstehen mit einer Präzision, bei der gerade die Details den Unterschied machen.

Portrait_Annie_Atkins2

Mirko Borsche wiederum gehört zu den prägenden Stimmen des zeitgenössischen Editorial- und Grafikdesigns. Seine Arbeiten und Kollaborationen reichen von Balenciaga, Supreme und Inter Mailand bis zum Magazin 032c.

Portrait_Mirko_Borsche (c) Martina Borsche

Beide verkörpern damit etwas, das im Zeitalter nahezu unbegrenzt reproduzierbarer Bilder wieder erstaunlich kostbar erscheint: eine erkennbare Handschrift.

Was also kaufen Auftraggeber:innen künftig, wenn sie einen Menschen statt eines Tools engagieren? Eine Dienstleistung? Einen Stil? Erfahrung? Urteilskraft? Oder gerade jene schwer definierbare Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die nicht aus Wahrscheinlichkeiten entstehen?

Kreativität nach dem Automatisierungsschub

Forward belässt die Diskussion nicht bei ästhetischen Fragen. Ein Panel beschäftigt sich mit den konkreten Veränderungen innerhalb der Kreativwirtschaft: mit neuen Rollen in Studios und Agenturen, veränderten Erwartungen von Kund:innen sowie mit Autorenschaft und Honoraren, wenn Teile kreativer Produktion automatisiert werden.

Damit berührt das Festival einen Punkt, der womöglich entscheidender ist als die Frage, ob KI „kreativ“ sein kann.

Denn Werkzeuge haben kreative Arbeit immer verändert. Interessanter ist, welchen Wert wir der menschlichen Entscheidung beimessen, wenn das Produzieren selbst immer einfacher wird.

Neben Annie Atkins und Mirko Borsche stehen unter anderem Natasha Jen, Erik Kessels, Cachete Jack, Luna Maurer, Thomas Albdorf, Gabriela Namie, So Me, Jim Stoten und The Mill auf dem Programm. Talks werden durch Workshops, Ausstellungen, eine Expo Area, Side-Events und Networking ergänzt.

Eine Idee, die in Wien begann

Othmar_Handl_stage© Alex Heuvink

Hinter Forward steht Gründer Othmar Handl. Was 2015 in Wien begann, ist längst zu einer internationalen Plattform der Kreativszene geworden. Der ursprüngliche Gedanke ist dabei erstaunlich analog geblieben: Menschen zusammenzubringen.

Vielleicht liegt gerade darin eine mögliche Antwort auf die große Frage des Festivals.

Je leistungsfähiger unsere Maschinen werden, desto interessanter könnte das werden, was sich nicht beliebig skalieren lässt: Persönlichkeit, Erfahrung, Haltung, Begegnung – und der Mut, aus einer Idee tatsächlich etwas zu machen.

Forward Festival Wien 2026
1.–2. Oktober 2026
Gartenbaukino, Wien

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