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Eine urbane Blüte

Shanghai weiß sowohl mit seinen historischen Gassen als auch mit einer futuristischen Skyline zu bestechen. Mit der Jia Art Gallery zeigen Foster + Partners hier nun ein neues architektonisches Highlight, das selbst zum eindrucksvollen Kunstwerk wird.

Shanghai ist neben Seoul und Tokio die wohl am meisten gehypte Großstadt Ostasiens – auf Instagram-For-You-Pages und darüber hinaus. Nicht zuletzt wegen ihrer aufstrebenden Kreativszene, die sowohl Mode, Kunst, Kultur als auch Architektur in ein völlig neues Scheinwerferlicht stellt.

Shanghai ist eine Stadt der Gegensätze: Die Stadt lebt von der Dualität historischer Ecken und Bauten einerseits und einer hoch modernen Skyline andererseits. Wer gerne bummelt und sich einen guten Kaffee to go mitnehmen möchte, ist hier allemal an der richtigen Stelle. Somit ist Shanghai auch eine Stadt, die auch unter westlichen Besuchern immer beliebter wird. Zudem scheint die Metropole auch vom politischen Trubel Chinas unberührt zu sein. Vielmehr lädt sie dazu ein, dem Trubel der Stadt zu folgen, sich treiben zu lassen – und die so gegensätzliche Architektur zwischen Tradition und Moderne zu bewundern. 

Für Kunst und Kultur

Eine der neuen architektonischen Highlights ist die Jia Art Gallery. Versteckt innerhalb eines kleinen, unscheinbaren Bezirks namens Putuo im nordwestlichen Zentrum der Großstadt, realisieren Foster + Partners damit ein Projekt, das das ganz besondere Flair des Ortes einfängt und neben der ausgestellten Kunst im Inneren ein ganz eigenes Kunstwerk zu sein scheint.

Jia Art Galerie von außen mit ihren architektonischen Besonderheiten.
Die Jia Art Galerie soll das neue Highlight des Changfeng-Stadtteilprojekts werden.

Putuo hat sich in der Vergangenheit als Industrie- und Arbeiterbezirk etabliert, zeigt sich heute jedoch stark gentrifiziert und als bunter Stadtteil mit vielfältigen kulturellen und innovativen Einflüssen. Die Gestaltung der Galerie ist Teil des Changfeng-Stadtteilprojekts, das ebenfalls von den Architekten konzipiert wurde. Dieses wiederum gehört zum Shanghai 2035 Masterplan, der ein lebendiges Viertel mit gemischter Nutzung, einer optimierten Vernetzung und hoher Lebensqualität für dessen Bewohner vorsieht. Im Zentrum soll Jia Art stehen und auf rund 5.000 Quadratmetern genügend Raum für Ausstellungen sowie Events und Bildungseinrichtungen bieten. 

Feine Rillen in der Fassade der Galerie.
Hier werden Kunst und Kultur unter einem Dach vereint …
Besondere Form der Jia Art, die zwischen einzelnen Bäumen und Sträuchern hervorsticht.
… wobei die Galerie selbst als Kunstwerk interpretiert werden kann.

„Jia Art ist ein Projekt, das verdeutlicht, wie wichtig es ist, Kunst und Kultur in unsere Städte zu integrieren“, so Gerard Evenden, Head of Studio bei Foster + Partners. Kein Wunder also, dass sich die Architekten hierfür auch gestalterisch so richtig ausgetobt haben. Entstanden ist ein Ort, der sowohl die umliegende Natur aufgreift als auch Menschen zusammenbringt und der Kunst einen eigenen Raum schafft. Dafür blickten sie in den nahegelegenen Changfeng-Park.

Wahrlich blumig

Dieser liegt ebenfalls im Putuo-Distrikt. Hier ist nicht nur eine klassische chinesische Gartenlandschaft angelegt, sondern auch ein kleinerer See namens Yinchu Lake. Die Anlage wurde größtenteils künstlich erschaffen und orientiert sich in ihrer Ausrichtung am Sommerpalast in Beijing, wobei auch die Gartenkunst an die beiden Großstädte Hangzhou und Suzhou erinnern soll. Hier blühen die verschiedensten Blumen, wie etwa Pfingstrosen, Magnolien und Kirschblüten. Von ihnen holten sich die  Architekten die Inspiration für ihr Projekt, das sich an der Besonderheit dieser Blumen orientiert und sie in ein komplexes architektonisches Gesamtwerk übersetzt.

Die Fassade ist auch im Inneren gerillt.
Die architektonischen Feinheiten sollen an eine Frühlingsblume erinnern.

Konkret zeigt sich das an der imitierten vierblättrigen blütenförmigen Form der Galerie, die an eine fein geschliffene Skulptur erinnert. „Mit seiner unverwechselbaren Form, der dynamischen Fassade und den lichtdurchfluteten Galerieräumen bereichert das Gebäude das Stadtviertel und stärkt den Gemeinschaftsgeist des Bauprojekts“, sagt Evenden.

Licht sei Dank

Das Gebäude ist zweigeteilt in den Nord- und Südbau. Nördlich gelegen befinden sich alle Hauptausstellungsräume, südlich hingegen zusätzliche Ausstellungsflächen, Räumlichkeiten für Vorträge sowie ein Gastronomiebereich. Beide Bereiche sind über ein doppelstöckiges Atrium miteinander verbunden und erhalten dank der gläsernen Fassade zusätzliches natürliches Licht. Generell legten Foster + Partners den Fokus auf natürlichen Lichteinfall und integrierten zahlreiche Fenster in die Entwürfe, die Jia Art zu einem lichtdurchfluteten, warmen Ort machen. Auch das Dach besteht aus Glas und reduziert dadurch die Notwendigkeit von künstlicher Beleuchtung in den Ausstellungsräumen.

Das Innere der Jia Art Galerie.
Die Jia Art bietet genügend Raum für Ausstellungsstücke …
Die Decke der Jia Art besteht aus Glas.
… und wird durch natürliches Lichter rundum beleuchtet.

Die Fassade wiederum besteht aus veredelten Edelstahlpaneelen, die entsprechend der extravaganten Blütenform gebogen sind. Ihre Textur erinnert an ein geripptes Muster und ist zudem verspiegelt. Nachts können die einzelnen Paneele sogar beleuchtet werden. Somit strahlt die Galerie auch im Dunkeln. Besucher und zukünftige Bewohner können die Jia Art Galerie jederzeit bestaunen und dank dieser besonderen Beleuchtung keineswegs übersehen.

Text: Katarina Andraschko
Bilder: Foster + Partners

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