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Räumliche Choreografien

Die neue Ghidini1961 Collection 2026 versteht Design nicht als Objekt, sondern als räumliche Choreografie aus Material, Licht und Bewegung.

Es gibt Kollektionen, die neue Möbel präsentieren. Und es gibt Kollektionen, die eine neue Haltung zum Wohnen formulieren. Die 2026 Collection von Ghidini1961 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Anstatt einzelne Produkte in den Mittelpunkt zu stellen, entwickelt das italienische Designlabel ein zusammenhängendes Universum, in dem Sofas, Tische und Leuchten miteinander kommunizieren. Gemeinsam definieren sie Räume nicht über Dekoration, sondern über Präsenz, Materialität und Atmosphäre. Dabei bleibt Ghidini1961 seiner DNA treu: Metall ist nicht bloß Konstruktion, sondern Ausdruck handwerklicher Präzision, während Marmor, Glas und Textilien zu gleichwertigen Protagonisten werden.

Räume in Bewegung

Besonders deutlich wird diese Haltung im modularen Sofa Settebello, entworfen von Lorenza Bozzoli. Seine großzügigen, weich modellierten Elemente lösen sich bewusst von klassischen orthogonalen Grundrissen. Trapezförmige Module und skulpturale Halbinseln erlauben immer neue Konfigurationen, die sich den Menschen anpassen – und nicht umgekehrt.

Das Sofa wird dadurch weniger zu einem Möbelstück als zu einer Landschaft. Ein Ort, der Begegnung ermöglicht, unterschiedliche Nutzungen zulässt und sich jederzeit neu organisieren lässt. Wohnen erscheint hier nicht als statischer Zustand, sondern als fortlaufender Prozess.

Licht als Architektur

Auch die Beleuchtung folgt diesem Gedanken. Mit Ypsilon entwickelt Lorenza Bozzoli ein modulares Lichtsystem, dessen lineare Elemente sich verzweigen und zu beinahe schwebenden Lichtarchitekturen verbinden.

Licht wird dabei nicht nur funktional eingesetzt, sondern strukturiert den Raum selbst. Linien werden zu Wegen, Verbindungen zu Knotenpunkten, während geriffeltes Glas das Licht weich in die Umgebung streut. Die Leuchte wirkt dadurch fast wie eine gezeichnete Architektur im Raum.

Skulpturen des Alltags

Die übrigen Neuheiten greifen dieselbe Idee auf: Möbel entstehen aus klaren geometrischen Grundformen, entwickeln jedoch eine überraschende skulpturale Kraft.

Der runde Tria-Tisch interpretiert seine zentrale Säule als monumentale Skulptur aus Naturstein, während Paolo Rizzattos Lancillotto klassische Architektur mit zeitgenössischer Reduktion verbindet. Die neue Unduetre-Leuchte bringt Marmor, Messing und Glas in ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Schwere und Leichtigkeit.

Auch kleinere Objekte wie die Cono-Beistelltische oder das weiterentwickelte Cards-System folgen derselben gestalterischen Logik: Jedes Objekt besitzt eine starke Identität, bleibt dabei jedoch offen für unterschiedliche räumliche Situationen.

Design als lebendiges System

Bemerkenswert ist zudem, dass Ghidini1961 seine bestehenden Entwürfe kontinuierlich weiterentwickelt. Die Leuchte Dash erscheint nun als hexagonale Version, Andrea Branzis ikonisches Regal Incrocio und die Stehleuchte Giotto erhalten eine neue Chromoberfläche, während die skulpturale Wandleuchte Kaleidos der Campana Brothers ihr faszinierendes Spiel aus Reflexion und Licht fortsetzt. Die Kollektion wächst dadurch organisch weiter, anstatt ständig nach radikaler Neuerfindung zu suchen.

Italienisches Design zwischen Handwerk und Zukunft

Seit seiner Gründung verbindet Ghidini1961 die jahrzehntelange Metallkompetenz von Ghidini Giuseppe Bosco mit einer zeitgenössischen Designsprache. Die neue Kollektion führt diesen Weg konsequent weiter. Sie zeigt, dass Luxus heute nicht zwangsläufig durch Opulenz entsteht, sondern durch Materialqualität, Präzision und Objekte, die mit dem Raum und seinen Bewohnern in Beziehung treten.

So entsteht eine Kollektion, die weniger Möbel präsentiert als Möglichkeiten. Möglichkeiten, Räume immer wieder neu zu denken – und sie dadurch lebendig werden zu lassen.

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