PROVOCATEUR HOTEL BERLIN

Provocateur Hotel Berlin, Photo: Provocateur

Im Hotel Provocateur lebt man frei von Normen und Gepflogenheiten und darf als Gast die Zeit und seine Pflichten vergessen.

General Managerin Julia Himburg über ihr schamlos gutes Hotel.

Interview: Nina Prehofer


Was ist denn am Hotel Provocateur so provokant?

Julia Himburg: Ich würde sagen, dass das Interieur und die Mitarbeiter für sich sprechen. Das muss man erlebt haben.

Welches Konzept steckt hinter dem Hotel?

Julia Himburg: Wir sind ein kleines Boutiquehotel mit 58 Zimmern und Suiten. Speziell ist der burleske Charakter, inspiriert vom Flair der 20er-Jahre in Paris. Es war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, es herrschte wirtschaftlicher Aufschwung und die Menschen konnten nach langer Zeit wieder so etwas wie Genuss erleben. Sie wollten feiern und eine gute Zeit haben.

Dieses Gefühl wollen wir unseren Gästen vermitteln. Es ist die Leichtigkeit, die dabei mitschwingt.

Das Leben im Paris, aber auch Berlin der 20er-Jahre, die Bohème, wird als legendär bezeichnet. Was ist daran so legendär?

Julia Himburg: Diese Lebensart der Bohème war frei von Normen und Gepflogenheiten, es ging darum, man selbst und authentisch zu sein. Also nicht von seinem wahren Selbst entfremdet zu leben. Das hatte so etwas ganz Ursprüngliches.

Wie wird das im Hotel gelebt?

Natürlich gelten auch bei uns bestimmte Arbeitsstandards für unsere Mitarbeiter, an die sie sich halten. Aber sie genießen ganz schön viele Freiheiten. Es gibt keine Vorschriften dazu, wie sie ihre Haare tragen sollen oder in welcher Farbe die Nägel lackiert sein müssen. Wir akzeptieren nicht nur jeden einzelnen Charakter, wir wollen diesen auch miteinbeziehen in unser Konzept. Das ist für uns eine Form der Kreativität, keine Marionetten, sondern echte Menschen mit Persönlichkeit als Mitarbeiter zu haben. Damit formen sie unser Produkt und füllen das Konzept mit Farbe und Leben.


JULIA HIMBURG
ist General Managerin des Hotel Provocateur in Berlin-Charlottenburg.
Das Provocateur gehört wie auch die
Roomers-Hotels oder das Bristol
in Frankfurt zur Gekko Group von
Micky Rosen und Alex Urseanu.


Ist es auch der Freiraum, den die Menschen an der Bohème so lieben?

Julia Himburg: Ja, man konnte und wollte man selbst sein, ohne Einschränkungen. Das war damals für die Menschen wichtig und ist es auch heute. Ich bin der Meinung, wenn man akzeptiert wird, so wie man ist, ist man viel freier und macht viel mehr aus allem. Für mich gilt: Je bunter und authentischer mein Team, umso einzigartiger das Hotel.

Gilt auch für die Gäste, dass „hier jeder nach seiner Fasson glücklich sein darf“?

Julia Himburg: Natürlich! Das macht es aus. So leben zu können, wie man will. Bei uns gehen die Uhren definitiv ein bisschen anders.

Das Interior Design stammt vom Amsterdamer Designer Saar Zafrir. In welche Farben, Formen und Materialien hat er euren „Lifestyle“ umgesetzt?

Julia Himburg: Mit viel Samt und viel Rot, Schwarz und Gold. Dadurch entstand eine sehr gemütliche, aber charakterstarke Atmosphäre. Der Woody-Allen-Film „Midnight in Paris“ und auch das Hotel Costes in Paris waren Inspiration für uns.

„Midnight in Paris“ habe ich nicht als besonders provokant in Erinnerung.

Julia Himburg: Der Hauptcharakter, Gil Pender, begeht darin eine Zeitreise in das Paris der 20er-Jahre. Da gab es diese Bar, in der sich alle getroffen haben – Hemingway, Dalí und andere. Dieser Ort ist die Idee, die hinter dem Interior-Konzept steckt. Es geht um die Lebensphilosophie, das Leben zu feiern und mit allem, was dazu gehört, zu leben. Wir haben mit dem Provocateur einen Ort kreiert, der diese Zeitreise widerspiegelt. Natürlich ist da auch urbanes Berlin dazugemischt. Aber bei uns treffen sich interessante Menschen, man kann unter sich sein und ist abgeschirmt von der Außenwelt. Das Konzept von Zeit gibt es bei uns nicht. Deswegen kann man freier leben.

Welches Detail im Haus mögen Sie besonders gern?

Julia Himburg: In unserem Altbau haben wir noch immer den originalen Aufzug aus dem Jahr 1912 in Verwendung. Ich glaube, den finde ich am allerschönsten.

Ihre Bar wurde 2019 „Hotelbar of the Year“ – was zeichnet sie aus?

Julia Himburg: Abgesehen vom Interieur und der Atmosphäre unser geniales Team, das jedes Jahr eine neue Karte mit eigens kreierten Drinks entwickelt. Wir sind eines der innovativsten Barteams im deutschsprachigen Raum. Die letzte Barkarte drehte sich um bekannte Persönlichkeiten der 20er-Jahre. Die aktuelle haben wir nun mit traditionellen Spirituosen fortgeführt. Bei uns wird zum Beispiel mit Korn gearbeitet, das kennt man als Trendgetränk gar nicht. Unsere Barkarte ist wie ein Magazin. Darin stehen auch Tipps für Berlin und unser Haus.

Die Stimmung?

Julia Himburg: Echt ausgelassen.

Wir machen die Vorhänge zu und dann verliert man jedes Zeitgefühl.

Plötzlich ist es vier Uhr morgens! Bei uns gibt es immer die passende musikalische Untermalung mit einem DJ.

In der Küche des „Golden Phoenix“ werkt The Duc Ngo. Geschmacksrichtung: Paris trifft China?

Julia Himburg: Genau, wir haben ein franko-chinesisches Konzept, bei dem die traditionelle chinesische Küche mit französischen Geschmäckern und Einflüssen kombiniert wird. Die Oma unseres Küchenchefs war Chinesin und er interpretiert ihre Rezepte gänzlich neu. Fine Dining bezieht sich bei uns auf das Essen, steif ist es aber mit Sicherheit nicht.

Noch eine Frage: Ich habe etwas von einem „provocateur mode“ gehört …

Julia Himburg: Ja, aber das verrate ich nicht. Den muss man schon selbst entdecken!

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