INSPIRATION FROM AROUND THE WORLD FOR AN AESTHETIC AND MEANINGFUL LIFESTYLE

Zwischen Pinselstrich und Porzellan

Eine duftige Rose aus den 1920er Jahren, eine Champagner-Schale in Form von Marie Antoinettes Busen und eine täuschend echte Semmel, die definitiv nicht essbar ist? Um das Augarten Porzellan ranken sich zahlreiche Geschichten. Bekannte und weniger bekannte. In einer Manufakturführung in Wien kommt man der ein oder anderen auf die Spur…

Neben einer lieben Tante, die mir zu besonderen Anlässen ausgewählte Stücke der Wiener Rose schenkte und akribisch festhielt, welches Teil des Services ich bereits besaß, sind mir vor allem die warnenden Blicke meiner Mutter in Erinnerung geblieben. Diese warf sie mir zu, wenn ich mich dem Bücherregal näherte, auf dem ihre Sammlung aus Keramikhunden und -pferden der Manufaktur thronte.

Mit genau dieser Mischung aus Ehrfurcht, Vorsicht und kindlicher Erinnerung betrete ich das Schloss der zweitältesten Porzellanmanufaktur Europas — stets in Sorge, selbst zum sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen zu werden.

Regelmäßig öffnen sich hier die Türen für Führungen, die einen seltenen Blick hinter die Kulissen dieser Wiener Institution erlauben. Eine feine Gelegenheit, Mäuschen und hoffentlich nicht Elefant zu spielen.

Vom Gießen der Rohmasse über das Brennen bis hin zum Bemalen: Schritt für Schritt bewegen wir uns von einem Raum zum nächsten und damit durch 300 Jahre Unternehmensgeschichte. Dass eine Figur aus Dutzenden gegossenen Einzelteilen von Hand zusammengesetzt wird, dass schon gebrannte Teile liebevoll nachbearbeitet werden und, dass stundenlang präzise ein Pinselstrich nach dem anderen gesetzt wird, zeigt, wie anspruchsvoll dieses Handwerk ist. Kein Wunder also, dass sein Erlernen mehrere Jahre dauert.

Dass hier etwas zu Bruch geht, ist dennoch selten. Und wenn, dann mit Absicht — darauf deutet zumindest eine Kiste samt Hammer und sorgfältig zerschlagenem Porzellan hin. Ob es sich dabei um eine „Wutbox“ für den Pausenraum handelt, bleibt offen. Der Gedanke daran wirkt inmitten der konzentrierten Präzision der Manufaktur jedenfalls fast beruhigend menschlich.

Back