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Vilebrequin und die Idee eines anderen Sommers

Saint-Tropez war nicht immer das, was man heute auf Social Media davon sieht.

Bevor der Ort zur Kulisse für Sichtbarkeit wurde, ging es dort um etwas anderes: um Tage ohne Eile, um Mittagessen, die in den Abend übergingen, um salzige Haut, verblasste Farben, Segelboote im Hafen und eine Eleganz, die nie besonders angestrengt wirkte.

Genau aus diesem Lebensgefühl heraus entstand 1971 Vilebrequin.

Der Gründer Fred Prysquel – Fotograf und Motorsportjournalist – soll seine erste Idee für eine Badehose auf einer Papiertischdecke in einem Café in Saint-Tropez skizziert haben. Inspiriert von den lockeren Surfershorts Kaliforniens entstanden Schnitte, die sich deutlich von der damals üblichen, engen Swimwear abhoben. Länger, entspannter, leichter.

Bis heute trägt die Marke etwas von dieser ursprünglichen Riviera in sich.

Nicht die laute Riviera.

Sondern jene, die nach Leinenhemden, Holzdecks und sonnengebleichten Farben aussieht.

Zwischen Bademode und Resortwear

Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum Vilebrequin nie nur reine Swimwear geblieben ist.

Über die Jahre entwickelte sich daraus eine vollständige Sommergarderobe – mit luftigen Shirts, Resortwear, Accessoires und Kollektionen, die weniger nach „Beach Club“ wirken als nach einer bestimmten Haltung zum Sommer.

Gerade aktuelle Kollektionen zeigen das deutlich. Die Übergänge zwischen Bademode, Tailoring und Ready-to-wear werden fließender. Materialien wirken weicher, Farben zurückhaltender, Prints künstlerischer.

Magazine wie The Times Style/LUXX beschrieben zuletzt genau diese Entwicklung: weg von rein funktionaler Swimwear hin zu Stücken, die sich ebenso selbstverständlich am Strand wie beim Lunch tragen lassen. Die Idee dahinter ist weniger Inszenierung als Vielseitigkeit.

Auch die aktuellen Capsule Collections greifen diese Richtung auf. Für Summer 2026 arbeitet Vilebrequin etwa mit dem Label 3.PARADIS sowie dem französischen Künstler Fabrice Hyber zusammen – nicht als plakative Fashion-Kollaboration, sondern eher als Erweiterung einer bestimmten Bildwelt zwischen Kunst, Natur und Riviera-Kultur.

Die bestickten Modelle

Besonders interessant sind dabei die bestickten Modelle der Marke.

Sie verändern die Wirkung von Bademode vollkommen. Statt rein grafischer Prints entstehen Oberflächen mit Struktur und Tiefe – beinahe wie textile Objekte. Manche Motive wirken aus der Distanz fast gemalt, andere erinnern an mediterrane Illustrationen oder maritime Fundstücke.

Dabei geht es weniger um Luxus als Statement, sondern eher um Handwerk und Materialität. Genau das unterscheidet Vilebrequin oft von vielen anderen Brands im Resort-Bereich.

Die Stücke wollen nicht auffallen.

Aber sie haben Charakter.

La Plage

Spannend ist auch, wie stark die Marke mittlerweile über Orte funktioniert.

Mit Konzepten wie „La Plage“ oder Kooperationen mit Hotels und Resorts versucht Vilebrequin nicht nur Kleidung zu verkaufen, sondern ein bestimmtes Sommergefühl räumlich erlebbar zu machen. Pool Clubs, Cabana Spaces und temporäre Installationen greifen die Idee eines entspannten Riviera-Lifestyles auf, ohne daraus ein nostalgisches Klischee zu machen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke der Marke.

Vilebrequin erzählt nicht von Urlaub als Eskapismus.

Sondern von einer Art, den Sommer wahrzunehmen.

Etwas langsamer vielleicht.
Etwas leichter.
Und mit einer Eleganz, die nicht erklärt werden muss.

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