The Other Place, Guilin/China: Urlaub in der Utopie

The Other Place Hotel The Other Place, Guilin/China, Foto: Chao Zhang, The Other Place

Treppen, die Kopf stehen, Perspektiven, die täuschen, und Türen, die keine sind

Im Boutique-Hotel The Other Place im südostchinesischen Guilin schaffte Studio 10 den unmöglichen Raum. Inspiration für das Hotel-Design lieferte der niederländische Künstler Maurits Cornelius Escher.

Was ist echt, was bloß eine Sinnestäuschung?

Ein Raum, der auf den ersten Blick natürlich zu sein scheint, auf den zweiten aber Rätsel aufgibt. Genau wie in Maurits Cornelius Eschers bekannten Bildern Treppauf, Treppab und Relativität stehen die Gäste der neu gestalteten Räumlichkeiten des Boutique Hotels The Other Place vor perspektivischen Unmöglichkeiten und optischen Täuschungen.

Die gefühlte Aufhebung der Schwerkraft

Die Idee für diese illusionären Rauminstallationen stammt von Shi Zou, der Architektin und Kreativchefin des in Shenzhen ansässigen Studio 10. Sie wollte „einen geheimnisvollen, unendlichen Raum schaffen und einen nahtlosen Übergang zwischen Zwei- und Dreidimensionalität“, so die Beschreibung des Gestaltungskonzepts.

Die aus jedem Blickwinkel gefühlte Aufhebung der Schwerkraft lässt keinen Zweifel an der inspirativen Vorlage von Eschers Arbeiten, die Shi seit dem Architekturstudium faszinierten. Als sie die leeren Räume mit ihren bloßen Betonwänden und der kirchenartigen Deckenhöhe erstmals betrat, habe sich sogleich die Vorstellung eines Escher’schen Designs mit surrealen Stilelementen manifestiert.

Der ursprüngliche Auftrag von Hotel-Eigentümerin Yi Feifei lautete, etwas zu schaffen, das neu gedacht, einzigartig und außerhalb unserer gewohnten Wahrnehmung sei. Die strukturellen Gegebenheiten der Räume, wie Installationen und Wasseranschlüsse, bestimmten die Raumaufteilung. Die einzigartige Raumhöhe von sieben Metern und das Giebeldach sollten optimal eingebunden werden.

Zwischen realem und fantastischem Raum

Bei den beiden je 70 Quadratmeter großen Suiten Maze und Dream, für die Studio 10 verantwortlich zeichnet,  galt es, ein gutes Zusammenspiel zu finden zwischen den praktischen Anforderungen einer Hotel-Suite und den effektvollen Rauminstallationen. Wände, Böden und Mobiliar sind in eine monochrome Farbpalette getunkt. Während Maze ein waldgrünes Labyrinth mit rosafarbenen Lichtungen kreiert, changiert Dream zwischen Zuckerwatte und Marshmallows.

Beide Farbpaletten entsprechen dem Konzept der Utopie oder ‚The Other Place‘ und schaffen so Räume, die ganz anders sind als jene, in denen wir uns im täglichen Leben bewegen.

Architektin Shi Zou

Auch das scheinbare Fehlen von Lichtanschlüssen, Steckdosen und anderen profanen technischen Vorrichtungen – allesamt als Einbaulösungen oder hinter Türen versteckt – trägt zur Illusion des fantastischen Raumes bei. Für die nötige Verspieltheit im strengen Minimalismus der Formgebung sorgen runde Elemente wie Bögen und Zylinder, die den Türen und Möbeln einen charmant-fiktiven Charakter geben.

Hotel The Other Place

Die grünen Wände machen diesen Raum geheimnisvoller, ähnlich einem verwunschenen Märchenwald mit geheimen Türen.

Architektin Shi Zou

Eskapismus als Erholungsfaktor

The Other Place – Guilin Litopia, so der vollständige Name des Guest Houses, liegt inmitten einer Postkartenlandschaft, am malerischen Ufer des Li Jiang. Vor den Fenstern der Zimmer und Suiten türmen sich die imposanten Karstberge von Guilin. Zwar wirbt das Hotel in seinem rekreativen Angebot auch mit der umgebenden Landschaft und dem Erholungswert Natur, setzt aber in erster Linie auf einen ästhetischen Eskapismus, der die ersehnte Erholung verspricht. Eine alternative Realität, die jedes Zimmer auf eine andere Art für Besucher bereithält, soll Alltag und Gedanken-Chaos in möglichst weite Ferne rücken.

10 Suiten von 5 unterschiedöichen Architekten gestaltet

Das Hotel ist familiär und überschaubar mit insgesamt zehn Wohneinheiten, die von fünf unterschiedlichen ArchitektInnen individuell gestaltet wurden. Die verwendeten Materialien wie Steine, Bambus, Rattan, Bananen-Blätter und Bauholz stammen aus regionaler Produktion.


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Text: Gertraud Gerst
Fotos: Chao Zhang, The Other Place