Kellergold: Weine als Investment? – Teil 1: May Wines // WEIN

May Wines, Foto: Anna Stöcher

Weine als Investment?, Text: Nina Prehofer, Fotos May Wines: Anna Stöcher

Weine als Investment? Macht das Sinn? THE Stylemate hat nachgefragt, bei zwei Wiener Händlern, die es wissen müssten. Sie haben uns erklärt, warum Wein in erster Linie Leidenschaft ist, der auch sie mit Ehrfurcht und Demut begegnen und warum man am Ende immer im Burgund landet.

TEIL 1
May Wines

Weine - May Wines

Es ist noch ein schöner Sommertag, als ich bei der Villa in Hietzing eintreffe. Der Anblick passt zu dem, was ich meine zu erwarten: ein anregendes und leidenschaftliches Gespräch über Wein und seinen Wert. Ansässig in der Villa sind Berndt und Andrea May, die vor einigen Jahren den exklusiven Weinhandel „May Wines“ gegründet haben, der Spitzenweine aus den renommiertesten Weinregionen der Welt anbietet. Der Empfang der beiden ist herzlich, in Zeiten wie diesen selbstverständlich mit Distanz. Wir finden uns bei offenen Fenstern im Salon ein, der auch für als „Austragungsort“ der regelmäßig stattfindenden Masterclasses dient, wo Weinliebhaber zu Verkostungen zusammenfinden.

Weine - May Wines

Bevor Berndt May sich ganz den Weinen gewidmet hat, war er Finanzmanager. Deswegen gilt meine erste Frage auch gleich dem Investment Wein und ob es Sinn macht in Krisenzeiten in teuren Wein zu investieren? „Generell macht es bei Investments Sinn seine Assets zu streuen. Zu den „real assets“ zählen unter anderem Kunst, alte Möbelstücke und Musikinstrumente und eben auch spezielle Weine.

Doch es ist nicht jeder Wein ein Investment und ein Investment in Wein ist auch nicht ganz einfach,

erklärt Berndt May.
Berndt May
Berndt May

Eine Investition in Wein erfordere viel, denn man brauche den Ort, wo man ihn gut lagern kann, müsse das auch nachweisen können, wissen, was man kauft und zu vernünftigen Konditionen einkaufen können. Wenn man einen Wein kauft, den man in den nächsten zwei Jahren trinken muss, so ist das kein Investment im klassischen Sinne, sondern eines in den Genuss. „Meine Erfahrungen mit Freunden und Kunden ist, dass ganz wenige Weine als Investment gekauft wurden, sondern vor allem für den Genuss. Und weil der Weinliebhaber meist auch ein Sammler ist, kauft er mehr, als er aktuell trinken kann. Irgendwann entdeckt er, dass er mehrere Tausend Flaschen im Keller liegen hat, beginnt zu rechnen und stellt fest, dass er ein Vermögen angesammelt hat.“

Andrea May
Andrea May

Beim Wein vermischen sich die Welten von Genuss und Investment

Gesucht als Investment wird nur das Beste. Das sind vor allem französische Weine aus dem Bordeaux und Burgund, denn in diesen Regionen ist nachhaltig bewiesen, dass die Weine auch gut reifen können. Sie haben eine lange Tradition und sie schmecken den Menschen, was wichtig ist, denn wo keine Nachfrage, keine Möglichkeit zum Gewinn. Schon früh wurde in diesen Regionen ein einheitliches Bewertungssystem eingeführt und somit die Weine vergleichbar. Außerdem wurden die Weine bereits sehr früh hoch bewertet. Um wirklich eine Investition zu tätigen, kauft man idealerweise 6er- oder 12er-Kisten, besitzt einen klimatisierten Keller oder einen Naturkeller, der sehr tief unten ist. Das Füllniveau der Flaschen muss passen, je wärmer und trockener sie gelagert sind, umso größer Gefahr, dass das Füllniveau sinkt. Je feuchter umso besser für den Wein, aber umso schlechter für das Etikett. Ab 80% Luftfeuchtigkeit beginnt das Etikett zu leiden. Sammler und Investoren wollen aber schöne Etiketten.

Gar nicht so einfach.

Weine - May Wines

Manchmal stecken hinter „wertvollen“ Weinen aber auch skurrile Geschichten

Wie zum Beispiel die, des Château Lafite aus dem Jahr 2008. Als bekannt wurde, dass das berühmte Weingut die Zahl „8“ auf die Flasche eingraviert, stieg der Wert des Weines um 20%. Die „8“ ist eine chinesische Glückszahl. Oder die über den 1945er Mouton, der schon immer als herausragender Wein bekannt und beliebt war. Die Kombination aus tollem Wein in der Flasche und dem exogenen Faktor „Kriegsende“ machten ihn zu einer heiß begehrten Rarität. Mittlerweile kostet die Flasche zwischen 8.000 und 10.000 Euro. Den Markt darf man bei einem Investment in Wein nie aus den Augen verlieren. Nur weil sich Kritiker einig sind, dass ein bestimmter Wein „groß“ ist, muss er nicht besonders teuer sein, eignet sich also auch nicht als Investition.

Großer Wein

Doch was macht einen Wein groß? Laut May gibt es darauf unterschiedliche Antworten. Ein Winzer würde Ihnen antworten: Terroir. Der Boden, die richtigen Rebstöcke, die Sonne und Kälte, Mikroklima und alte Rebstöcke. Da halte ich meist dagegen, dass die Weine aus den 60er und 70er Jahren, die wir heute als gut schätzen, von damals nicht sehr alten Rebstöcken stammen. Generell kann ich natürlich nachvollziehen, dass ein alter, tief verwurzelter Rebstock interessante Dinge in die Pflanze bringt. Der Winzer würde also sagen, dass das meiste im Weingarten passiert. Als Händler sage ich, ein großer Wein, ist der, der sich gut verkauft. Als Liebhaber sage ich, ein großer Wein ist der, der mir beim Hineinriechen ins Glas eine Gänsehaut verschafft und mir ein „Wow“ über die Lippen bringt.“

Weine - May Wines
Die Mays

Bei ihren Verkostungen servieren Andrea und Berndt May viele dieser großen Weine. „Es gibt Parameter, die ganz klar sind. Das sind die Aromavielfalt, die Komplexität eines Weines – wie lange er am Gaumen haftet, ob er Druck ausübt und einen Körper hat – und ob die Säure strukturiert ist und den Wein elegant und ziseliert macht.“, ergänzt Andrea May. An Hand dieser Parameter wird von ihnen bewertet. Bei ihren Verkostungen, vor allem aber auch beim Verkauf in ihrem Handel wird Qualität großgeschrieben. May vergleicht es mit seiner Zeit als Banker, wo als größtes Risiko das „reputational risk“ gesehen wurde. Bei einem Wein, der in den Verkauf kommt, muss alles passen. Der Keller, die Provenienz, das Füllniveau, der Kork und das Etikett. Kunden dürfen keinesfalls enttäuscht werden, eine „May“-Flasche muss für Qualität stehen.

Der persönliche Lieblingswein der Mays ist derzeit ein Haut-Brion 1989, der sich mit circa 1500 Euro zu Buche schlägt.

Hobby gesucht

Angefangen hat bei Andrea und Berndt May alles mit der Suche nach einem gemeinsamen Hobby. Für Golf fühlten sie sich noch zu jung, bei den anderen Sportarten waren sie sich nicht einig. Doch Gastgeber waren die beiden immer schon gerne. So haben sie beschlossen sich mit Wein auseinanderzusetzen und das ganz schön akribisch. Gemeinsam wurde blind verkostet, sich abgefragt, viel gelesen und vor allem viel probiert.

Weine - May Wines

„Unsere Objekte der Begierde sind Weine aus Frankreich, hauptsächlich aus dem Bordeaux und Burgund. Das ist auch der Wein, den wir in erster Linie verkaufen, denn hier können wir unsere Erfahrung miteinbringen. Wir kennen die richtigen Jahrgänge, die Weingüter und Lagen, und auch in welchem Zeitfenster man sie kaufen und später trinken sollte.“, so Andrea May. Dabei wird ihnen auch niemals langweilig.

Wir trinken andauernd die gleichen Weine und können trotzdem stundenlang darüber reden.

Weine - May Wines

Doch nicht nur bei den Weinen geraten die beiden ins Schwärmen, auch bei ihren Gästen. „Die meisten Menschen, die wir hier bei uns kennenlernen und eine Leidenschaft für den Wein haben, sind immer auch interessante Menschen. Wir sind so gerne Gastgeber, deswegen machen wir die „Masterclasses“ auch bei uns zu Hause. Schon nach kurzer Zeit kann man nicht mehr unterscheiden, wer schon länger unsere Freunde sind und wen wir gerade erst kennengelernt haben. Man trifft sich beim Wein auf einer Ebene.“

Um ihre Kunden noch besser kennenzulernen hat May Wines seit kurzer Zeit einen Abholshop, wo man nach Termin die online bestellten Weine abholen kann. So ergibt sich die Möglichkeit zum persönlichen Kontakt und das finden beide „besonders schön“. Ihren derzeitigen Lieblingswein würden sie übrigens auch nie zu zweit aufmachen. Sondern „immer nur mit Freunden, denn dann macht es mehr Spaß.“


May Wines ist ein exklusiver Weinhandel, der vor allem reife Spitzenweine aus den renommiertesten Weinregionen der Welt anbietet. Der Kopf dahinter ist Berndt May, der mit 53 Jahren den Sprung vom Finanzmanager zum Weinhändler gewagt hat. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea hat Berndt sich in den letzten 15 Jahren ein umfassendes Weinwissen erarbeitet und einen einzigartigen Weinkeller aufgebaut. Via Online-Shop sind die edlen Tropfen zu erwerben. Bei den gereiften Jahrgängen verwendet May größte Sorgfalt darauf, den Top-Zustand der Weine zu überprüfen und zu erhalten. Als leidenschaftliche Gastgeber bieten Berndt und Andrea zudem regelmäßig Masterclasses in ihrem privaten Verkostungs-Salon in Wien Hietzing an.

maywines.com