5 Fragen an: TASSEL TALES

Tassel Tales, Interview: Nora Palzenberger

Mit ihrem Slow-Fashion-Label Tassel Tales sorgen Alexandra, Stephanie und Sophie Eisl für mehr Transparenz und Fairness in der Modebranche. Und zeigen mit ihren farbenfrohen Stücken im Boho-Stil ganz nebenbei, wie stylish nachhaltig produzierte Mode sein kann.

Tassel Tales


Im Namen der Quaste

Was haben Sie über Slow Fashion, umweltfreundliche Materialien und faire Produktionsmethoden gelernt, das Sie noch nicht wussten, als Sie Ihr Label 2017 gegründet haben?

Die Produktionskette von einem umweltfreundlichen und fairen Label ist das A und O. In der Anfangszeit bei Tassel Tales ging es großteils um Recherche sowie den Aufbau unserer Produktionskette. Dokumentarfilme, Social Media, unzählige Bücher und fortlaufende Internetrecherche haben dazu beigetragen, dass wir einen festen Grundstein bauen konnten und uns auch stetig weiterentwickeln.

Ihre Produkte werden unter dem Motto „we rise by lifting others“ von Frauenkollektiven in Indien und Marokko für Frauen gefertigt. Wie definieren Sie persönlich female empowerment?

Frauen die Chance zu geben, selbstständig und unabhängig über ihre Zukunft zu bestimmen, ihnen eine Stimme zu geben, die sie ohne dieser Kollektive und die damit verbundenen Arbeit vielleicht nicht hätten. Deswegen kooperieren wir seit unserer Gründung eng mit HandwerkerInnen und Frauenkollektiven wie Saheli Women in Indien und Al Kawtar in Marokko. Uns motiviert, dass wir mit unserer Arbeit etwas nachhaltig verändern können, dass wir Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten, empowern können.

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Das Herzstück Ihres neuen Project N°2021 sind ganzjährig tragbare Looks. Was hat Sie darin bestärkt, den klassischen saisonalen Kollektionskalender zu verlassen?

Empowerment braucht Zeit. Als Slow-Fashion-Label richten wir uns nach dem Produktionszyklus unserer PartnerInnen in Indien, Marokko und Polen. Sprich, wir setzen die Timings gemeinsam fest, damit sie entsprechend Zeit haben, in Ruhe jedes einzelne Produkt Stück für Stück herzustellen. Somit entstehen Produkte aus Leidenschaft, die etwas Schönes und Gutes an sich haben. Produkte, die für Ethik, Fairness und ein würdevolles Miteinander stehen.

Drei Kriterien, an denen ich erkenne, dass ich tatsächlich nachhaltig produzierte Mode kaufe?

Bei vielen großen Fast-Fashion-Labels werden aktuell sehr viele Greenwashing- Kampagnen ausgerollt. Das bedeutet, dass Produkte der Marke durch gezielte PR Aktionen ins „grüne“ Licht gerückt werden und so bei KundInnen fälschlicherweise der Eindruck entsteht, dass die Brand ethisch korrekt, fair und umweltfreundlich handelt, obwohl das selten der Fall ist. Daher ist es zuallererst sehr wichtig, sich aktiv über das Label zu informieren und zu prüfen, ob es sich um einen PR-Coup oder ein tatsächlich nachhaltiges Produkt handelt.

Berichte zur Nachhaltigkeit, klar definierte Ziele und ausreichend Auskunft sind gute Indikatoren. Darüber hinaus sollte man immer auf die Zusammensetzung des Kleidungsstücks achten, prüfen aus welchen Materialien dieses besteht und nach Nachhaltigkeitssiegeln Ausschau halten – wie zum Beispiel das ökologische Siegel GOTS – Global Organic Textile Standard. Solche Siegel kosten allerdings meist viel Geld, was es für kleinere Brands wie uns schwierig macht, sich diese auch zu leisten. Der Preis eines Produkts ist oft auch ein guter Indikator. Nachhaltige Produktion, faire Entlohnung und natürliche Rohstoffe sind oft teurer, der Preis sollte diese Mehrkosten reflektieren.

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Und wie kann die Tassel Tales-Trägerin dazu beitragen, die Welt ein Stück besser zu machen?

Wichtig ist es, sich über die Produkte, die wir kaufen, zu informieren und sein eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. Als Teenager waren auch wir auf Schnäppchenjagd und wussten es einfach nicht besser. Heutzutage hat jeder Jugendliche durch das Internet, Smartphones und Co. Zugang zu Informationen, die die Schattenseiten des Fast-Fashion-Business enthüllen – sehr empfehlenswert dazu ist der Film „The true cost“. Somit können wir andere und bewusstere Entscheidungen treffen und die Welt ein Stück verändern und verbessern.

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Über TASSEL TALES

Vor vier Jahren gründen die Schwestern Alexandra und Stephanie Eisl gemeinsam mit ihrer Cousine Sophie Eisl Tassel Tales. Mit dem fairen und nachhaltige Ready-to-Wear- und Yoga-Label möchten die drei Wienerinnen die Geschichte der Herkunft ihrer Produkte und der Menschen, die an deren Entstehung beteiligt sind, erzählen und so für mehr Transparenz für die KundInnen sorgen. Unter dem Motto „Von Frauen für Frauen“ werden die farbenfrohen Stücke mit der Quaste als Synonym für Bohemian Elegance von Frauenkollektiven in Indien und Marokko gefertigt. Mit dem Launch des Project N°2021 setzt Tassel Tales nun auf ganzjährig tragbare, eklektische Looks, die von den 70s inspiriert sind.

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