BEMENTI: So nachhaltig kann stylish sein.

Bementi

Das zeigt uns Luisa Scheffler mit ihrem Label BEMENTI. Hergestellt aus Feigenkaktus, designt sie vegane und nachhaltige Taschen, die echtem Leder in nichts nachstehen. Wir haben uns mit ihr getroffen und sie zu ihrer Vision einer nachhaltigeren Shopping-Zukunft befragt.

Erzähl uns mal alles von Anfang an: Wie kam es dazu, dass du ein eigenes Label gegründet hast? Was war deine Vision dahinter?

Ich hatte schon früh den Wunsch, mal ein eigenes Label zu haben, und mich hat das ganze Thema Markenentwicklung und -führung sehr interessiert. Ich wollte etwas erschaffen, das einen positiven Effekt auf die Welt hat und nachhaltig Veränderung bewirkt, sodass ich am Ende meines Lebens nicht einfach nur gelebt, sondern auch etwas bewegt habe, das auch in Zukunft noch Bedeutung hat. Jedes Jahr tötet die Lederindustrie Milliarden Tiere, zerstört die Umwelt und hat schwere gesundheitliche Folgen für die Menschen in den Produktionen. Ich war davon überzeugt, dass es irgendein anderes Material geben muss, aus dem man schöne und qualitativ hochwertige Handtaschen fertigen kann – ohne negative Auswirkungen auf Tiere, Menschen oder die Umwelt.

Wie lief der Start ab? Die Suche nach einer nachhaltigen Manufaktur ist ja meist eher schwierig. Wie hast du deine gefunden?

Nachdem ich mich entschieden hatte, BEMENTI zu gründen, war ich, um ehrlich zu sein, erstmal etwas ratlos. Jede Gründung ist anders und deshalb gibt es auch keinen genauen Plan, was man wann machen sollte. Für mich war das Wichtigste, zuerst einmal das perfekte Material zu finden. Parallel dazu habe ich meine ersten Produkte gezeichnet und einen Lieferanten gesucht, der mir daraus einen Prototypen fertigt. Für mich war von Anfang an klar, dass meine Handtaschen in Italien von Hand gefertigt werden sollen.

Italien ist bekannt für seine Handwerkskunst und ich wollte genau diese Erfahrung und Qualität auch für meine Handtaschen. Nach langer Recherche habe ich schließlich einen Hersteller gefunden, bei dem ich gleich ein gutes Gefühl hatte. Nach einem sehr netten Videotelefonat mit dem Geschäftsführer habe ich dann meinen ersten Prototypen aus Kaktusleder fertigen lassen. Die Zusammenarbeit war von Anfang an super. Ein paar Monate später bin ich nach Italien gereist, um das ganze Team persönlich kennenzulernen und mir die Produktion vor Ort anzuschauen und zu sehen, wie Schritt für Schritt, in liebevoller Handarbeit, aus meiner Bleistiftzeichnung eine hochwertige Handtasche entsteht.

Deine Taschen werden aus Feigenkaktus hergestellt. Wie bist du darauf gekommen, genau dieses Material zu nutzen?

Die meisten Unternehmen, die kein echtes Leder verwenden, nutzen PU-Leder, also Kunstleder. Dieses Material ist zwar vegan, aber es ist nicht umweltfreundlich und die Qualität ist auch nicht gut. Deshalb war es für mich nie eine Option und ich habe sehr lange recherchiert, welche anderen Alternativen es gibt. Schließlich bin ich auf pflanzliche Materialien gestoßen, hier gibt es inzwischen echt viele Entwicklungen: Ananasleder, Apfelleder, Pilzleder, Weinleder, Maisleder. Ich habe mich über alle Materialien informiert, aber das Einzige, was mich wirklich zu 100 % überzeugt hat, war Kaktusleder. Kaktusleder sieht nicht nur aus wie echtes Leder, sondern es ist auch extrem robust, wasserabweisend, flexibel und atmungsaktiv – einfach genial.

Darüber hinaus überzeugt Kaktusleder mit einer einzigartigen Nachhaltigkeit. Die Kakteen benötigen sehr wenig Wasser und wachsen alleine durch Regen und das natürliche Vorkommen von Mineralien in der Erde. Eine künstliche Bewässerung und Düngung sind somit nicht notwendig. Die Kakteen können mehrjährig geerntet werden, wobei eine Plantage im Schnitt acht Jahre lang hochwertigen Rohstoff liefert. Die Ernte selbst gestaltet sich genauso nachhaltig. Die reifen Blätter der Kakteen werden alle sechs bis acht Monate abgeschnitten, ohne die Pflanze zu beschädigen. Im Anschluss erfolgt die Trocknung in der Sonne ohne Einsatz zusätzlicher Energie. Ganz im Gegenteil: Die Kakteen sorgen aufgrund ihrer sehr hohen CO2-Bindungskapazität für einen positiven Nebeneffekt. Das alles macht Kaktusleder zum perfekten Material – nicht nur für schöne Handtaschen, sondern auch für Schuhe, Jacken, Möbel und vieles mehr.

Was können wir als Käufer machen, um umweltbewusster zu shoppen?

Einer der wichtigsten Punkte ist, dass wir uns besser informieren. Dass wir uns vorab mit den Marken auseinandersetzen und etwa schauen, wie und wo produziert wird und welche Materialien verwendet werden. Viele Menschen wissen nicht, woher zum Beispiel die Kleidung, die sie tragen, kommt und vor allem unter welchen Bedingungen sie hergestellt wird. Auch ist es wichtig, dass wir uns von Fast Fashion distanzieren und uns als Konsumenten mehr Gedanken darüber machen, was wir kaufen und ob wir das gerade wirklich brauchen. Das ist es, was ich mit BEMENTI erreichen will. Ich möchte schöne Produkte herstellen, aus Materialien, für die niemand leiden oder sterben muss. Gleichzeitig habe ich versucht, alle meine Handtaschen und Accessoires zeitlos zu designen. Durch das zeitlose Design sowie die hohe Qualität des Materials und der Verarbeitung können meine Handtaschen aus Kaktusleder viele Jahre getragen werden und die Menschen bei all ihren Erlebnissen begleiten.

Photocredits: BEMENTI