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Die Dreifaltigkeit der Heilung

Das Architekturbüro JK-AR hat in der südkoreanischen Stadt Gyeongju mit dem Haus der Heilung einen Ort geschaffen, der Genesung, Meditation und Besinnung miteinander vereint. Die 150 Jahre alte Klinik verbindet dabei traditionelle koreanische Architektur mit modernen Ansätzen.

Abseits der Hauptstadt Seoul bietet die koreanische Halbinsel zahlreiche weitere sehenswerte Orte. So ist beispielsweise Gyeongju eine der bedeutendsten Kultur- und Geschichtsstädte Südkoreas. Als ehemalige Hauptstadt des antiken Königreichs Silla, eines der drei historischen Reiche Koreas, bietet sie eine besonders hohe Dichte an UNESCO-Welterbestätten. Darunter zahlreiche buddhistische Tempel oder Daereungwon, einen Park mit Grabhügeln königlicher Verstorbener. Kulturelles Erbe ist demnach fest in der DNA der Stadt verankert.

Und nun erhält Gyeongju Zuwachs: Das Haus der Heilung, ein Projekt des südkoreanischen Architekturbüros JK-AR, soll sowohl dem Körper als auch dem Geist dienen. Dafür wurde einer 150 Jahre alten Klinik neues Leben eingehaucht. Seit 2025 können hier Patienten nicht nur medizinische Untersuchungen, sondern auch meditative Aktivitäten – und somit allumfassende Gesundheitsmaßnahmen – in Anspruch nehmen. Sowohl außen als auch innen wurde dieser Ansatz bis ins kleinste Detail durchdacht. 

Drei Ansätze fürs gesund sein

Die Aufteilung des Hauses folgt einer traditionellen Baulogik, die im koreanischen Sprachgebrauch als „Madang“ bezeichnet wird und so viel wie „Hof“ bedeutet. Drei Haupthallen prägen dabei die Anordnung der Räumlichkeiten. Im Mittelpunkt steht die Halle der Heilung, die als Herzstück des Projekts auch im Fokus der Modernisierung stand. Hier sollen künftig Behandlungen nach traditioneller koreanischer Medizin angeboten werden. Die Halle der Meditation wiederum beherbergt Ausstellungsräume, die beispielsweise für Kunstgalerien genutzt werden können. Den Abschluss bildet die Halle der Besinnung. Mit einem traditionellen Teehaus rundet sie die Zielsetzung des Projekts geschickt ab. Gesundheit wird hier über das körperliche Empfinden hinausgedacht, so JK-AR.

Willkommen im Haus der Heilung, einer 150 Jahre alten Klinik, die neues Leben eingehaucht bekommen hat.

Um all das unter ein Dach zu bekommen, orientierten sich die Architekten an der traditionellen Bauweise von Hanok-Gebäuden, die man besonders aus historischen K-Dramas kennt. Für das Konzept verwendeten sie jedoch deutlich weniger Holz als es für Hanoks üblich ist. Zudem verzichtete JK-AR auf eine komplexe Anordnung der Holzträger, um sowohl die Kosten als auch die Bauzeit zu reduzieren. Stattdessen setzen die Architekten auf innovative Timber-Framing-Systeme, mit denen sich ähnliche, jedoch effizientere Ergebnisse erzielen lassen. So bewahrt das Haus der Heilung von außen Tradition und Geschichte, während es im Inneren modernisiert und neu interpretiert wurde. 

An Tradition orientiert

Der Bezug zur Tradition wird trotz der innovativen Bauweise auch in der Struktur des Hauses berücksichtigt. Das Gerüst verfügt über geschwungene Tragstrukturen, die sich sowohl an einem 200 Jahre alten Wohnhaus namens Samguejeong als auch am Jahamun-Tor des Bulguksa-Tempels in Gyeongju orientieren. Für die Materialien verwendete das Architekturbüro hauptsächlich lokales Holz sowie umweltfreundliche Werkstoffe. „Über seine funktionalen Aspekte hinaus ist das Haus der Heilung ein Beispiel für nachhaltige Architektur“, erklären die Architekten.

Das Haus der Heilung steht für zeitgenössische ostasiatische Architektur mit einer schmalen integrierten Veranda …

Laut JK-AR ist die Halle der Besinnung ein herausragendes Beispiel für zeitgenössische ostasiatische Architektur. Auch das schwarze, geschwungene Dach symbolisiert diesen tiefen kulturellen Bezug. Das Teehaus bietet einen weitläufigen Ausblick auf die Umgebung und lädt zum Entspannen ein – eine kleine Auszeit, wie wir sie in europäischen Krankenhäusern so nicht kennen. Dabei ist der Toenmaru, ebenfalls Bestandteil der traditionellen Hanok-Bauweise, eine schmale hölzerne Veranda, die unmittelbar entlang der Wohnbereiche verläuft. Ein solcher Zwischenraum wurde auch im Inneren strategisch eingeplant, um Begegnungen und Austausch zu fördern.

Von Menschen, für Menschen

Große Fenster lassen reichlich natürliches Licht in das Haus der Heilung und unterstreichen den friedlichen Charakter der Räumlichkeiten. Die länglichen Höfe fügen sich zu einem zusammenhängenden System und fungieren als eine Art Organismus, der seine Besucher durch einen zentralen Eingang empfängt. Die Klinik liegt in einer ländlicheren Umgebung, weshalb sich vom vorderen Hof auch ein optimaler Blick auf Gyeongju Namsan eröffnet, einen bekannten Gipfel im gleichnamigen Nationalpark. Dieses Stillleben unterstreicht die ruhige Atmosphäre, die das gesamte Projekt bis in die Holzfasern verinnerlicht hat.

Die großen Fenster spenden reichlich Licht und stehen für eine nachhaltige Art des Bauens.

Über die eigentliche Funktionalität hinaus steht das Haus der Heilung beispielhaft für nachhaltige Architektur. Durch die Integration zahlreicher Fenster werden eine natürliche Belichtung und Belüftung ermöglicht. Zudem sollen spezielle Maßnahmen zur Verbesserung der Wärmedämmung beitragen – eine Eigenschaft, die bei traditionellen Hanoks häufig eine Herausforderung darstellt. Das Haus der Heilung versteht sich als Ort der Erneuerung, Genesung und Meditation. Um es mit den Worten der Architekten abzurunden: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Haus der Heilung ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist, wie traditionelle koreanische Architektur neu interpretiert werden kann, um einen modernen, nachhaltigen und kulturell bedeutsamen Raum zu schaffen“.

Text: Katarina Andraschko
Bilder: Rohspace

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