Wie verändert ein Leben voller Malerei unseren Blick auf die Welt? Mit Frank Bowling: Seeking the Sublime widmet NOWNESS einem der bedeutendsten abstrakten Künstler unserer Zeit ein sensibles Porträt – und zeigt einen Künstler, der auch mit über 90 Jahren die Möglichkeiten der Malerei immer wieder neu auslotet.
Seit mehr als sechs Jahrzehnten erweitert Frank Bowling die Grenzen dessen, was Malerei sein kann. Der in British Guiana – dem heutigen Guyana – geborene und seit vielen Jahren in London lebende Künstler versteht Farbe nicht als Mittel zur Darstellung, sondern als eigenständige Form des Denkens. Seine Werke entstehen aus Intuition, Materialität und dem bewussten Zusammenspiel von Kontrolle und Zufall.
Der Kurzfilm Frank Bowling: Seeking the Sublime von Lucy Andia und Frederick Shelbourne, entstanden für das Fitzwilliam Museum in Cambridge, begleitet den Künstler in seinem Londoner Atelier. Im Gespräch mit dem Kunstkritiker und langjährigen Weggefährten Martin Gayford spricht Bowling über Erinnerungen, Wahrnehmung, den Einfluss des Lichts seiner Heimat und über einen kreativen Prozess, der bis heute nichts von seiner Offenheit verloren hat.
Farbe, Schwerkraft und Erinnerung
Charakteristisch für Bowlings Arbeiten sind gegossene Farbschichten, stark strukturierte Oberflächen und ein Arbeitsprozess, bei dem auch die Schwerkraft zu einer gestalterischen Kraft wird. Seine Bilder entstehen nicht nach einem festen Plan, sondern entwickeln sich Schicht für Schicht zu komplexen Kompositionen voller Tiefe und Bewegung.
Auch nachdem er seine Arbeitsweise an das Malen im Rollstuhl angepasst hat, arbeitet Bowling täglich weiter. Der Film dokumentiert diese beeindruckende Kontinuität und verbindet aktuelles Filmmaterial mit historischen Fotografien und Archivaufnahmen. Vergangenheit und Gegenwart treten dabei ebenso miteinander in Dialog wie Erinnerung und Gegenwart in Bowlings Werk selbst.
Die Suche nach dem Erhabenen
Parallel zur gleichnamigen Retrospektive entstanden, ist Frank Bowling: Seeking the Sublime weit mehr als ein klassisches Künstlerporträt. Der Film erzählt von schöpferischer Freiheit, Ausdauer und der Fähigkeit, sich auch nach Jahrzehnten immer wieder neu auf den eigenen künstlerischen Prozess einzulassen.
Mit 92 Jahren zeigt Frank Bowling eindrucksvoll, dass Kreativität kein Alter kennt. Seine Malerei erinnert daran, dass wahre Innovation dort entsteht, wo Offenheit wichtiger ist als Gewissheit – und wo Farbe zu einer Form des Denkens wird.







