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Afrika hebt ab

Südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba entsteht mit dem Bishoftu International Airport mehr als nur ein neuer Flughafen. Zaha Hadid Architects kreieren ein Luftfahrt-Zentrum, das als internationales Drehkreuz das Tor zu ganz Afrika werden soll.

Zwischen Addis Abeba und den Seen des Großen Afrikanischen Grabenbruchs liegt Bishoftu – ein Ort, der bisher in der Region als Ziel für Wochenendausflügler aus der äthiopischen Hauptstadt oder für Vogelbeobachtung bekannt war. Und traurige Berühmtheit erlangte, als es hier im Jahr 2019 zum folgenschwersten Flugzeugabsturz in der Geschichte Äthiopiens kam. Dass nun ausgerechnet dieser Ort zu einem Aushängeschild der afrikanischen Luftfahrt wird, hat durchaus etwas Schicksalhaftes an sich.

Bishoftu International Airport
Bis zu 110 Millionen Passagiere jährlich soll der Bishoftu International Airport künftig abfertigen.

Denn hier, rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt, entsteht mit dem Bishoftu International Airport (BIA) der größte Flughafen des Landes, der in weiterer Folge laut äthiopischer Regierung zum „größten Luftfahrt-Infrastrukturprojekt in Afrikas Geschichte“ ausgebaut werden soll – mit einer Kapazität, die mehr als viermal über jener des bestehenden Bole International Airports in Addis Abeba liegt. Die Ethiopian Airlines Group sowie der Staat Äthiopien beauftragten Zaha Hadid Architects (ZHA) mit der Umsetzung des Projekts, dessen Grundstein im Jänner 2026 gelegt wurde.

Kontinentales Drehkreuz

Der neue Flughafen soll die rasch wachsende Rolle Äthiopiens im internationalen Luftverkehr sichern, denn der Bole Airport stößt zunehmend an Kapazitätsgrenzen. Ein Problem, das der strategischen Position des Landes zwischen Afrika, Europa, Asien und dem Nahen Osten geschuldet ist. Daher gingen ZHA davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Reisenden auch am Bishoftu International Airport lediglich umsteigen werden.

Rolltreppe, Aufzüge
Das Design stellt Transitpassagiere in den Fokus.
Bishoftu International Airport by ZHA, Rendering Drohnenansicht
Das „Rückgrat“ verbindet die vier Piers des Flughafens.

Entsprechend lag der Fokus des Studios auf Transitpassagieren und damit auf kurzen Wegen, klarer Zonierung und großzügigen Aufenthaltsbereichen. Man entwarf den Hub mit einem zentralen „Spine“ („Rückgrat“) als Verbindung der unterschiedlichen Bereiche des Terminals. Inspiration nahm man dabei an der äthiopischen Geografie: Das Rückgrat erinnert an den Großen Grabenbruch, die vier Piers des Flughafens symbolisieren mit unterschiedlichen Farben und Designs jeweils eine Region des Landes.

Exklusives Warten

Tageslicht, offene Lounges und extensive Begrünung sollen das klassische Terminalgefühl auflockern. Auch ein Airside-Hotel ist vorgesehen, um lange Transferzeiten komfortabler zu gestalten. 350 Zimmern, ergänzt um Gastronomie, Entertainment, Höfe und Gärten sollen Rückzugsräume schaffen, die den Transit vom Wartesaalgefühl befreien sollen. Luxus kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz. So gibt es für Vielfliegende die „Cloud Nine“: Eine exklusive Lounge am Dach des Airports. Fine Dining, Fitnessraum und Spa inklusive.

Cloud Nine
Luxus-Lounge: In der „Cloud Nine“ wird das Warten auf den Anschlussflug zum Exklusiv-Erlebnis.

Gestalterisch bleibt der BIA dem gewohnten ZHA-Konzept treu: Organische, fließende Formen mit dynamischen Linien und Kurven prägen den Entwurf. Die starke Betonung von Dynamik spiegelt die Bedeutung der Bewegung an diesem Ort wider, der niemals statisch ist, niemals stillsteht. Die Architektur wird hier bewusst ein Teil des Reiseerlebnisses, so die Architekten.

Ideale Lage

Dass ein Flughafen in der Hochebene nicht wie ein hermetisch versiegelter Glaskasten funktionieren muss, ist ebenfalls Teil des Konzepts. ZHA zielt auf den LEED-Goldstatus ab; mit natürlicher Belüftung, wirksamer Beschattung und halb offenen Bereichen. Regenwasser vom Flugfeld, von Rollbahnen und Dächern soll in Rigolen geleitet werden, Photovoltaikanlagen sind als zentraler Baustein der Energieproduktion vorgesehen, die Freiräume werden mit resistenten einheimischen Pflanzen gestaltet. Laut ZHA soll Architektur stärker auf klimatische Realitäten reagieren, statt sie technisch zu überdecken.

Abflughalle
Im Jänner 2026 wurde der Grundstein für das Projekt gelegt.
Gepäckbänder
Die Eröffnung der ersten Phase soll 2030 erfolgen.

Die Wahl Bishoftus für den künftigen Hub ist natürlich kein Zufall. Der Standort liegt rund 400 Meter tiefer als Addis Abeba. Für die Airlines bedeutet das bessere Startbedingungen: Flugzeuge können aufgrund der höheren Luftdichte mit höherem Gewicht abheben, Reichweiten erhöhen sich, Betriebskosten sinken. Parallel entsteht eine leistungsfähige Verkehrsanbindung zur Hauptstadt – inklusive Hochgeschwindigkeitszug. Neben dem Flughafen entsteht außerdem eine Airport City mit Büros, Hotels, Logistikflächen und Wohnquartieren rund um den Terminal.

Kontinentales Drehkreuz

Ziel der Verantwortlichen ist die Eröffnung im Jahr 2030. In der ersten Ausbaustufe soll der Airport mit einem 660.000 Quadratmeter großen Terminal und zwei parallel betriebene Runways rund 60 Millionen Passagiere jährlich abfertigen; langfristig sind bis zu 110 Millionen vorgesehen, unterstützt durch vier Start- und Landebahnen sowie Abstellflächen für rund 270 Flugzeuge. Mit einem Investitionsvolumen von etwa 12,5 Milliarden Dollar ist das Projekt auch finanziell ein Kraftakt. Ein Großteil der Finanzierung kommt von internationalen Kreditgebern, darunter multilaterale Entwicklungsbanken.

Wartebereich Gates
„Flughäfen bringen Menschen zusammen und bauen Brücken“, so Zaha Hadid Architects.

„Der Bishoftu Airport ist ein visionäres Projekt. Für Äthiopien und für ganz Afrika“, so Cristiano Ceccato de Sabata, Director of Aviation bei ZHA. „Flughäfen bringen Menschen zusammen und überbrücken nationale Grenzen. ZHA fühlen sich geehrt, Teil dieser Entwicklung zu sein: Als Tor zu Afrika alle Regionen des Kontinents miteinander zu verbinden.“

Text: Michi Reichelt
Bilder: X-Universe

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