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Innehalten am Rudolfsplatz

„Miiro“ ist ein leiser Imperativ, angelehnt an das lateinische „bewundern“, wobei das doppelte „ii“ dieses Innehalten betont. Das spiegelt sich nicht nur im Boutique-Hotel Palais Rudolf selbst wieder, sondern auch in der Geschichte seiner Entstehung – von Generalunternehmer Voglauer aus Abtenau umgesetzt.

Während neues Leben in wenigen Monaten zur Vollendung findet, verlangt die Metamorphose eines Gründerzeithauses in ein Hotel gewöhnlich nach mehr Zeit. Am Rudolfsplatz in Wien jedoch scheint dieser Rhythmus neu geschrieben worden zu sein. In nur neuneinhalb Monaten ist hier – dank des Generalunternehmers Voglauer – ein Ort entstanden, der Vergangenheit und Gegenwart in eine stille, selbstverständliche Balance bringt.

Errichtet zwischen 1880 und 1883 und heute nach Kronprinz Rudolf benannt, erzählt das klassische Wiener Gründerzeithaus von Vergangenheit. Seine Verwandlung jedoch verweist auf die Gegenwart: Denn eine Kernsanierung dieser Größenordnung ist weit mehr als ein Bauprozess – sie ist ein sensibles Austarieren zwischen Bewahren und Erneuern, zwischen Substanz und Vision. Genau darin liegt die besondere Qualität von Voglauer: historische Architektur nicht zu überformen, sondern sie weiterzudenken – mit Respekt, Klarheit und handwerklicher Konsequenz.

Man erhielt die Fassade und restaurierte sie behutsam. In den Innenräumen hingegen galt es, die gesamte Haustechnik auf den neuesten Stand zu bringen und zugleich Türen, Fischgrätböden, Wände, Stuckdecken neu zu denken. Kein Zentimeter blieb dabei unberührt – Voglauer arbeitete mit größter Sorgfalt an der Substanz.

Doch nicht nur die bauliche Struktur erzählt davon: Auch die 64 Zimmer und Suiten sowie die öffentlichen Räume spiegeln diesen Ansatz – dank maßangefertigter Möbel und passender Beleuchtung -wieder. Darunter der in den Miiro Hotels so beliebte Refresh Room – ein Ort zum Frischmachen bei frühen Anreisen oder späten Abreisen.


Heute fügt sich das von James Thurstan Waterworth und Studio Archisphere geplante Boutiquehotel mit feinem Gespür für Lokalkolorit mühelos in seine Nachbarschaft ein und vermittelt den Gästen authentisches Neighbourhood-Feeling. Es ist eine Komposition aus warmen, natürlichen Farbtönen, Vintage-Möbeln und feinen Materialien – eine Interpretation des klassischen Wiener Stadthauses, die Intimität und Leichtigkeit ausstrahlt.

Gerade diese mühelos wirkende Atmosphäre ist das Ergebnis präziser Planung. Voglauer gelingt es dabei, Räume zu schaffen, die selbstverständlich wirken – obwohl ihre Entstehung alles andere als gewöhnlich ist.

Eine Leistung, die Voglauer auch im zweiten Wiener Miiro Hotel am Spittelberg umgesetzt hat, das kürzlich eröffnet wurde.

Das Palais Rudolf wurde als lebendiger Ort konzipiert, nicht als Denkmal. Jede Proportion, jedes Licht und jede Textur wurde bewusst gewählt, um Wiens poetische Dualität einzufangen – seine stille Eleganz und seine kreative Kühnheit.

Architekt Gabriel Kacerovsky, Gründer des Wiener Studios Archisphere

Fotos: James McDonald

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