Für Pavimenti Sansone entwickeln Icona Architetti Associati fünf Zementfliesen-Kollektionen, die Farbe und Geometrie mit sizilianischem Handwerk verbinden. Die beiden jüngsten Entwürfe beginnen mit einer einfachen Kurve.
Eine Zementfliese ist ein kleines Stück Wiederholung. Gleiche Maße, gleiche Formen, ein Muster, das sich über den Boden fortsetzt. Bei Pavimenti Sansone bleibt dabei jede einzelne Fliese ein wenig anders. Feine Unterschiede in Farbe und Oberfläche erzählen von ihrer Herstellung: von Hand, Stück für Stück, im Südosten Siziliens.


Diese Variationen bilden den Ausgangspunkt der Zusammenarbeit mit Icona Architetti Associati. Das von Federica Poggio und Marco Orto gegründete Mailänder Architekturbüro übernahm vor zwei Jahren die kreative Leitung des Herstellers. Seither entstehen Kollektionen, deren Wirkung sich aus dem Zusammenspiel von Material, Farbe und Verlegung entwickelt. Nach Sessanta, Twist und Line, vorgestellt 2025, erweitern 2026 die Entwürfe Novilunio und Pura das Sortiment.
Die Hände bleiben sichtbar
Pavimenti Sansone wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als kleine Handwerkswerkstatt gegründet. In der Gegend um Comiso fertigt das Unternehmen bis heute Zementfliesen einzeln von Hand. Marmorpulver, Zement und mineralische Pigmente werden mithilfe von Metallschablonen in Form gebracht, gepresst und anschließend an der Luft getrocknet. Die Fliesen werden weder gebrannt noch poliert.
Das Verfahren hinterlässt Spuren. Nuancen im Farbton und kleine Unregelmäßigkeiten gehören zur Oberfläche – und damit zur späteren Wirkung eines Raumes. Ein Boden aus solchen Fliesen besitzt eine Lebendigkeit, die sich aus vielen feinen Abweichungen zusammensetzt.
Für ihre Entwürfe beschäftigten sich Poggio und Orto zunächst mit den Abläufen in der Werkstatt: mit Werkzeugen, Handgriffen und dem Verhalten der Pigmente. Ihre gestalterische Arbeit setzt bei diesen Eigenschaften an. Farbe, Modul und Wiederholung werden zu Bausteinen einer zeitgemäßen Formensprache, in der die handwerkliche Herkunft ablesbar bleibt.
Ein Muster mit Spielraum
Die 2025 präsentierte Icona Collection umfasst Sessanta, Twist und Line. Klare geometrische Formen treffen auf unterschiedliche Farbkombinationen und Verlegemöglichkeiten. Die Palette reicht von zurückhaltenden, an Naturtönen orientierten Farben bis zu kräftigeren Kontrasten.


Wie die fertige Fläche aussieht, entscheidet sich auch beim Verlegen. Die einzelnen Module können unterschiedliche Rhythmen bilden; Farbe verstärkt Verbindungen oder setzt Akzente. Damit wird die Gestaltung des Bodens zu einem Teil des räumlichen Entwurfs. Eine Fliese liefert einen Baustein, dessen Wirkung sich erst im Zusammenhang entfaltet.
Zwei Wege entlang einer Kurve
Mit Novilunio und Pura führen Icona Architetti Associati diesen Gedanken 2026 weiter. Beide Kollektionen gehen von derselben geometrischen Grundform aus: der Kurve.
Bei Novilunio verbinden sich vier Fliesen zu einem zentralen Motiv. Das Zusammenspiel von Farbflächen und ausgesparten Bereichen erzeugt eine weiche Geometrie, die sich über den Boden wiederholt. Je nach Farbwahl treten die Formen deutlicher hervor oder fügen sich ruhiger in die Fläche ein.


Pura lässt die Anordnung offener. Die Kurve bildet hier den Ausgangspunkt für wechselnde Sequenzen. Das Muster entsteht aus den Beziehungen zwischen benachbarten Fliesen; neue Kombinationen verändern seinen Rhythmus.
Darin liegt der Reiz dieser Zusammenarbeit: Eine seit Generationen vertraute Herstellung eröffnet neue gestalterische Möglichkeiten. Das Handwerk bleibt in jeder Fliese sichtbar, während sich das Bild des Bodens mit ihrer Anordnung wandelt. Sizilien steckt dabei in der Tiefe der Farben, im Material und in den kleinen Unterschieden von Stück zu Stück.






