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Stufe für Stufe

Das Stiegenhaus ist ein Raum, der oft vergessen wird, dient er doch meist nur einem Zweck: das Oben mit dem Unten zu verbinden. Nicht so im Boutiquehotel stieg’nhaus in Mühlbach am Hochkönig.

Hier fungiert das Bindeglied des Hauses sogar als Namensgeber. Denn das Stiegenhaus ist das Herzstück des Hotels. Seine Form und Materialien wiederholen sich in allen Räumen. Vielleicht ist es auch eine Einladung, in der Geborgenheit kurz innezuhalten – und sich zu fragen, auf welcher Stufe des Lebens man gerade steht. Und welche Etage man als nächstes betreten möchte. Die subtile Imperfektion des Stiegenhauses ist auch eine Erinnerung daran, dass das Leben nicht immer gerade verlaufen muss.

Das Gastgeberpaar Maria und Tom Heidenreich musste etwa auf zwei Treppen ihres Weges erkennen, dass diese nicht weiterführen. Schließlich brachten sie ihre Schritte von Bayern nach Salzburg hinauf zum Hochkönig zu einem Haus mit einem charmanten Stiegenhaus, in dem sie nun ein Boutiquehotel im Sinne des leisen Luxus führen. Im Gespräch verrät Maria, welche Stufen sie geprägt haben – und wie daraus ihr ganz eigenes stieg’nhaus entstanden ist.

Wie kam es zu der Idee, das Zuhause nach Österreich zu verlegen, wo es in Ihrer Heimat Bayern doch auch so viele schöne Orte gibt?


Wir haben 2021 auf der Wieseralm in Saalbach-Hinterglemm geheiratet und waren auch vorher schon oft und gerne in Österreich. Für uns war dann klar: Wir wollen hier leben. Ursprünglich hatten wir ein Grundstück in Kärnten gekauft und wollten dorthin ziehen. Durch Freunde sind wir schließlich auf Mühlbach aufmerksam geworden – und dort hat unsere Reise in die Hotellerie begonnen. Das stieg’nhaus ist bereits unser dritter Anlauf, da die beiden vorherigen Projekte leider nicht umsetzbar waren.

Wo liegt die Verbindung von Ihrem alten Leben zu dem jetzigen?


Dass wir aus der IT-Branche kommen, hilft uns sehr, da in einem Hotelbetrieb zahlreiche komplexe Systeme im Hintergrund laufen. Eine weitere Verbindung zur Hotellerie habe ich über meine Familie: Meine Großeltern führten 40 Jahre lang ein Wirtshaus in Oberfranken. Toms Familie ist in der Immobilienbranche tätig. Sie schaffen Wohnraum in Oberfranken, wodurch sich Tom mit Baustellen und rechtlichen Themen sehr gut auskennt.

Wie sind Sie zu dem Haus gekommen?

Wir hatten ja bereits zwei Anläufe – beide ebenfalls in Mühlbach. Als das zweite Projekt gescheitert war und klar war, dass es nicht weitergeführt werden kann, ergab sich etwas. Ein Haus im Ortskern aus dem Jahr 1990. Wieder in Mühlbach. Der Ort wollte uns nicht loslassen. So hat sich alles gefügt.

Was war Ihr Eindruck, als Sie das Stiegenhaus zum ersten Mal gesehen haben?

Wir haben uns sofort verliebt und das Potenzial erkannt. Vom Stiegenhaus aus haben wir das gesamte Design des Hotels abgeleitet: die rauen Wände, der Handlauf aus Messing, der uns zu den Armaturen und Materialien inspiriert hat. Es strahlt eine einzigartige Atmosphäre aus und hat einen wunderschönen Charme und gibt dem Haus sein Design und seinen Namen.

In welcher Form spiegelt sich das Stiegenhaus wieder?


Es findet sich in vielen kleinen Details wieder: in den geschwungenen Linien der Möbel, in den runden Formen der Bäder und in den feinen Ornamenten der Balkone, die seine Bewegung aufnehmen. Rote Fliesen an den Küchenwänden erzählen leise von früher, sie sind eine Hommage an die Fliesen aus dem alten Treppenhaus. Nicht zuletzt ist das Stiegenhaus auch symbolisch im Logo zu sehen.

Was für eine Geschichte soll das Design erzählen?


Das Design spricht für sich – durch die Art, wie sich der Raum anfühlt. Es soll Wärme und innere Ruhe vermitteln, zeitlose, natürliche Eleganz ausstrahlen und Hochwertigkeit verkörpern.

Wie sorgen Sie innen für Wärme, wenn es draußen kalt wird?

Wir haben im gesamten Haus Fußbodenheizung installiert und sorgen mit warmen Materialien, Decken und Stoffen für eine natürliche, angenehme Wärme.

Wie sieht die nächste Etage in Ihrem Leben aus? Welche Türe wartet oben schon, um von Ihnen geöffnet zu werden?


Wir sind da ganz offen und gehen auch so durchs Leben. Ein paar Türen sind schon sichtbar und leicht geöffnet – und wenn die Zeit reif ist, werden wir hindurchgehen.
So sind wir auch in den letzten Jahren mit unseren Projekten vorgegangen: Wenn sich eine Tür geschlossen hat, haben wir uns auf die Fenster und Türen konzentriert, die sich dadurch neu geöffnet haben.

Fotos: Karin Pasterer

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