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Matteo Thun & Partners: HOLZ ALS HALTUNG

Warum Holz mehr ist als ein Baustoff – und zur Denkweise moderner Architektur wird

Holz ist zurück – nicht als Trend, sondern als Haltung. Für Matteo Thun & Partners wird der Baustoff zur Philosophie: sinnlich, technologisch und tief verwurzelt im Kontext von Mensch, Ort und Umwelt. Ein Gespräch mit Elisa Vago zeigt, warum Holz heute mehr denn je die Zukunft der Architektur prägt.


Holz als Denkweise im Entwurf

„Holz ist nie neutral.“ – dieser Satz beschreibt präzise, was Holz im architektonischen Kontext bedeutet. Es ist nicht bloß Material, sondern Träger von Geschichte, Handwerk und Zeit. Holz reagiert auf Klima, Nutzung und Alterung – es lebt und erzählt.

Für Matteo Thun & Partners wird Holz damit zur Haltung im Entwurfsprozess:
Wie verhält sich ein Gebäude zur Natur? Wie zum Alltag der Menschen? Und wie wird es sich über Jahrzehnte entwickeln?

2_Chiemgauhof©Elias-Hassos

Diese Fragen stehen im Zentrum einer Architektur, die sich nicht nur als Form, sondern als Beziehung versteht.


Design for people, for places, for life

Architektur muss mehr leisten als Ästhetik. Sie soll Räume schaffen, die Wohlbefinden fördern, die heilen, inspirieren und verbinden.

Holz spielt dabei eine Schlüsselrolle:

  • durch seine natürliche Wärme
  • durch seine sensorische Qualität
  • durch seine ökologische Bilanz

Doch entscheidend ist der Kontext – der Genius Loci. Jeder Ort verlangt eine eigene Antwort. Genau hier entfaltet Holz seine Stärke: als Material, das sich kulturell und atmosphärisch einfügt.


Ein Hightech-Material mit Geschichte

Holz ist längst kein nostalgischer Baustoff mehr. Durch moderne Technologien wie Brettschichtholz oder CLT (Cross Laminated Timber) wird es zu einem hochpräzisen, leistungsfähigen Material.

Feuerbeständigkeit, Haltbarkeit und mechanische Eigenschaften wurden erheblich verbessert. Gleichzeitig bleibt Holz zeitlos und flexibel – eine seltene Kombination aus Tradition und Innovation.

3_Chiemgauhof©Elias-Hassos

Die Philosophie der „3 Zeros“

Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort, sondern System. Die sogenannte 3-Zero-Philosophie beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz:

  • Zero Kilometer – kurze Transportwege
  • Zero Emissionen – CO₂-Speicherung im Material
  • Zero Abfall – Wiederverwertbarkeit

Ein Kubikmeter Holz speichert rund eine Tonne CO₂ – ein entscheidender Beitrag im Bausektor, der für etwa 40 % der Emissionen verantwortlich ist.

5_LaPergola©PatrickSchwienbacker

Weiterdenken statt Wegwerfen

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Installation Fratelli Tutti:
Holz aus einer verlassenen Almhütte wird zu einem Meditationsraum transformiert – und kehrt nach seiner temporären Nutzung wieder in die Alpen zurück.

Kreislaufwirtschaft wird hier zur gelebten Praxis, nicht zur Theorie.


Patina als Teil des Designs

Holz altert – und genau darin liegt seine Schönheit.

UV-Strahlung, Wetter und Zeit verändern die Oberfläche. Doch statt diese Prozesse zu bekämpfen, werden sie bewusst in den Entwurf integriert.

6_Vigilius_©Florian_Andergassen

Patina wird zum Ausdruck eines lebendigen Materials.


Grenzen, die Wissen erfordern

So vielseitig Holz ist, so anspruchsvoll ist sein Einsatz. Es reagiert sensibel auf Feuchtigkeit, Temperatur und Belastung.

Ein schlecht durchdachtes Projekt verzeiht keine Fehler – sie werden sichtbar, technisch wie ästhetisch.

Holz verlangt Präzision, Wissen und Respekt.

7_VigiliusMountainResort©VigiliusMountainResort

Eine Haltung für die Zukunft

Holz steht für eine neue Art zu bauen:
bewusst, zirkulär und menschenzentriert.

Es verbindet Technologie mit Emotion, Nachhaltigkeit mit Kultur – und zeigt, dass Architektur mehr sein kann als Konstruktion:

eine Beziehung zwischen Mensch, Natur und Zeit.

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