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WILHELM SASNAL: GREY EYES

Zwischen Sichtbarkeit und Erinnerung – eine Ausstellung über das Sehen selbst

Im Espace Louis Vuitton München entfaltet sich mit Grey Eyes eine eindringliche Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Erinnerung und der Macht der Bilder. Die Ausstellung des polnischen Künstlers Wilhelm Sasnal lädt dazu ein, das Sehen neu zu denken – fragmentarisch, ambivalent und zutiefst persönlich.

PORTRAIT WILHELM SASNAL, 2026 Photo credits: © Pawel Gardynik Courtesy Wilhelm Sasnal and Pawel Gardynik

Vom 24. April bis 12. September 2026 präsentiert der Espace Louis Vuitton München die Ausstellung Grey Eyes, eine kuratierte Auswahl von Werken aus der Collection der Fondation Louis Vuitton sowie aus dem Atelier des Künstlers Wilhelm Sasnal. Die Schau ist Teil des internationalen Hors-les-murs-Programms, das Kunst über institutionelle Grenzen hinaus zugänglich macht und weltweit in den Espaces Louis Vuitton realisiert wird.

UNTITLED (POTATO MOUNTAIN) 2025, Öl auf Leinwand / Oil on canvas 66 x 81,3 cm © Wilhelm Sasnal Courtesy of the artist

Die Poetik des Unklaren

Seit den 1990er Jahren entwickelt Wilhelm Sasnal eine Bildsprache, die sich konsequent mit der Rolle von Bildern in unserer Gegenwart auseinandersetzt. Seine Werke – Malerei, Zeichnung und Film – basieren auf einer reduzierten, präzisen Ästhetik, die das Alltägliche transformiert. Pressebilder, Filmstills oder private Szenen werden nicht reproduziert, sondern fragmentiert, vereinfacht und neu kontextualisiert.

Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Entzug, in dem das Bild zugleich präsent und flüchtig erscheint. Sasnals Arbeiten laden dazu ein, Unsicherheit nicht als Defizit, sondern als integralen Bestandteil von Wahrnehmung zu akzeptieren.

Formale Freiheit als Methode

Charakteristisch für Sasnals Werk ist seine formale Offenheit: Von glatten Oberflächen bis zu expressiven Pinselstrichen, von Porträts über Landschaften bis hin zu architektonischen Fragmenten – alles existiert gleichwertig nebeneinander. Diese Vielschichtigkeit ist kein stilistischer Zufall, sondern eine bewusste Strategie, die Malweise dem Motiv anzupassen.

Dabei schwingt stets ein leises Unbehagen mit. Hinter scheinbar alltäglichen Motiven öffnen sich historische und politische Dimensionen, insbesondere im Kontext der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Grey Eyes – Die Ambivalenz des Sehens

Die Ausstellung vereint Werke aus zwei Jahrzehnten und wurde von Sasnal selbst zusammengestellt. Das wiederkehrende Motiv des Auges wird zur Metapher für das Sehen in einer überladenen Bildwelt.

Die Farbe Grau – weder eindeutig opak noch transparent – steht sinnbildlich für Ambiguität:
für müde Augen, für abgewandte Blicke oder für jene, die sehen, ohne wirklich wahrzunehmen.

A 2025 Öl auf Leinwand / Oil on canvas 50 x 70 cm © Wilhelm Sasnal Courtesy of the artist

Die zentrale Frage lautet: Was bedeutet es heute, zu sehen?
Eine klare Antwort bleibt aus – stattdessen entstehen offene, fragile Wahrnehmungsräume, die Raum für individuelle Interpretation lassen.

UNTITLED 2004 Öl auf Leinwand / Oil on canvas 40,5 x 50 cm © Wilhelm Sasnal Courtesy of the artist and Fondation Louis Vuitton, Paris

Der Künstler

Wilhelm Sasnal (1972 in Tarnów, Polen) lebt und arbeitet in Krakau. Nach einem Architekturstudium wandte er sich der Malerei zu und wurde Mitbegründer der Künstlergruppe Ładnie, die eine neue Generation im postkommunistischen Polen prägte. Sein Werk ist international ausgestellt und verbindet persönliche Narrative mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen.

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