Die Ausstellung „Tanzbild“ in der ALBERTINA MODERN erzählt anhand historischer Fotografien die faszinierende Geschichte des Tanzes zwischen Bewegung, Inszenierung und fotografischer Innovation – von den frühen Atelieraufnahmen des 19. Jahrhunderts bis zur avantgardistischen Tanzfotografie der 1930er-Jahre.
Wenn Bewegung zum Bild wird
Tanz ist flüchtig. Eine Bewegung existiert nur für einen Augenblick – und verschwindet im selben Moment wieder. Genau diese Vergänglichkeit fasziniert Fotograf:innen seit den Anfängen der Fotografie. Mit der Ausstellung „Tanzbild. Fotografien aus der Sammlung der ALBERTINA“ widmet sich die ALBERTINA MODERN diesem Spannungsfeld zwischen Bewegung und Stillstand und zeichnet eine visuelle Geschichte der Tanzfotografie von den 1860er-Jahren bis in die frühen 1940er-Jahre nach. Rund 120 Werke aus der Fotosammlung der Albertina geben Einblick in eine Epoche, in der Tanz und Fotografie gleichermaßen neue Ausdrucksformen entwickelten.

Tanzfotografie zwischen Bühne und Atelier
Die frühesten Tanzfotografien entstanden in den Ateliers des 19. Jahrhunderts. Tänzerinnen und Tänzer wurden dort in statischen Posen oder klassischen Porträts inszeniert – oft als Sammelbilder im sogenannten Visitformat oder als großformatige Kabinettkarten. Diese Fotografien machten Künstler:innen zu frühen Stars und prägten eine neue visuelle Kultur der Prominenz.
Mit den technischen Fortschritten der Fotografie – insbesondere kürzeren Belichtungszeiten – begann sich das Bild des Tanzes zu verändern. Ab dem späten 19. Jahrhundert konnte erstmals Bewegung selbst fotografisch festgehalten werden. Serienaufnahmen und Bewegungsstudien machten Abläufe sichtbar, die zuvor dem menschlichen Auge verborgen geblieben waren.
Die Geburt der Tanzmoderne
Besonders intensiv widmet sich die Ausstellung der Zwischenkriegszeit, einer Phase, in der sich der moderne Tanz als eigenständige Kunstform etablierte. Tänzerinnen wie Isadora Duncan, Mary Wigman oder Josephine Baker prägten eine neue Körperästhetik, die sich bewusst vom klassischen Ballett abgrenzte. Ausdruck, Individualität und körperliche Freiheit rückten in den Mittelpunkt.
Parallel dazu entwickelte sich die Fotografie zu einem kreativen Partner der Performance. Fotograf:innen wie Trude Fleischmann, Rudolf Koppitz, Atelier d’Ora oder Charlotte Rudolph arbeiteten eng mit den Tänzer:innen zusammen. In diesem dialogischen Prozess entstanden ikonische Bilder, die nicht nur Bewegung dokumentierten, sondern selbst zu künstlerischen Interpretationen des Tanzes wurden. pressemappe_tanzbild_de
Avantgarde, Ausdruck und Inszenierung
Die Tanzfotografie wurde zunehmend experimentell. Fotograf:innen suchten nach neuen Möglichkeiten, Dynamik, Geschwindigkeit und Emotion sichtbar zu machen. Ungewöhnliche Perspektiven, fragmentierte Bildausschnitte oder bewusst inszenierte Gesten spiegelten die ästhetischen Strömungen der Moderne wider.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Fotografie der Tänzerin Gret Palucca während eines Sprungs, aufgenommen von Charlotte Rudolph. Das Bild vermittelt eine fast schwerelose Dynamik und wurde zu einem ikonischen Motiv der fotografischen Avantgarde der 1920er-Jahre.
Tanz als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen
Die Fotografien zeigen nicht nur Tanz, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen. In den Illustrierten der Zwischenkriegszeit wurden Tänzerinnen zunehmend als moderne, selbstbewusste Persönlichkeiten inszeniert. Gleichzeitig spiegelte ihre Darstellung neue Vorstellungen von Körperlichkeit, Emanzipation und Sinnlichkeit wider.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland und 1938 in Österreich erlebten sowohl Tanzszene als auch Fotografie jedoch einen drastischen Bruch. Viele Künstler:innen wurden verfolgt, vertrieben oder ermordet – eine Zäsur, die auch in der Geschichte der Tanzfotografie tiefe Spuren hinterließ.
Eine visuelle Geschichte des Tanzes
„Tanzbild“ macht deutlich, wie eng Tanz und Fotografie miteinander verbunden sind. Die Kamera konserviert nicht nur flüchtige Bewegungen, sondern erschafft auch neue Bildwelten des Körpers in Bewegung.

Die Ausstellung lädt dazu ein, Tanz nicht nur als Performance zu erleben, sondern als ästhetisches Zusammenspiel von Körper, Licht, Technik und künstlerischer Interpretation.
Ausstellung:
Tanzbild – Fotografien aus der Sammlung der ALBERTINA
Ort: ALBERTINA MODERN, Wien
Dauer: 3. März – 7. Juni 2026
Kuratorin: Astrid Mahler
Werke: ca. 120 Fotografien










