AUKTIONSHAUS „IM KINSKY“: gespür für den kunstwert

Portrait Elisabeth Skofitsch-Haas Auktionshaus im Kisky

Elisabeth Skofitsch-Haas repräsentiert das Wiener Auktionshaus „im Kinsky“ im Süden Österreichs. In Graz kombiniert sie mit großem Erfolg traditionelle und neueste Formen des Kunsthandels.

Wann sind Sie in das Reich der Kunst eingetaucht?

Skofitsch-Haas: Eigentlich schon relativ früh als Kind, als ich mit meinem Vater, der in der Reisebürobranche tätig war, auf vielen Reisen Museen besucht habe. Später im Gymnasium durch einen Zeichenprofessor, der selbst Künstler war. Meinem Drang Kunstgeschichte zu studieren, bin ich zunächst nicht nachgegangen und habe aus Vernunftgründen Jus studiert, parallel aber Kunstgeschichte-Vorlesunge besucht und bald war klar – das ist es!

Mit diesem Schwung wurden Sie dann auch zur Expertin für Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert?

Skofitsch-Haas: Gleich nach dem Studium war ich im Kinsky in Wien für das Marketing und die allgemeine Organisation zuständig. Nach zwei Jahren bin ich in die Abteilung für Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts gewechselt. Expertin wird man vor allem durch „learning by doing“: viel Kunst anschauen und ein Gespür für Qualität entwickeln.

Auktionshaus im Kinsky Elisabeth Skofitsch-Haas
Auktionshaus im Kinsky

Mit dem Gespür für die Kunst-Qualität im Gepäck ging es nach Graz?

Skofitsch-Haas: Da ich auch schon von Wien aus immer mehr Kunden in der Steiermark und Kärnten betreut habe, wurde die Idee einer Repräsentanz in Graz geboren. Das war im Jahr 2008. 2013 bezogen wir das Büro in Graz und seitdem darf ich sehr erfolgreich einen großen Kundenkreis bei der Vermittlung und dem Sammeln von Kunstobjekten aller Epochen und Sparten betreuen.

Wie kommen denn gute bis sehr gute Verkaufserlöse zustande?

Skofitsch-Haas: Wir bieten eine kostenlose, objektive Beratung. Die Experten im Kinsky sind durchwegs seit Jahrzehnten im Kunsthandel tätig. Sie sind Spezialisten ihrer Fachgebiete, egal ob es sich um Alte Meister oder Zeitgenössische Kunst, um Gemälde des 19. Jahrhunderts oder Klassische Moderne, um Jugendstil oder Antiquitäten handelt, und sie sind fast ausnahmslos als gerichtlich beeidete Sachverständige tätig. Wir bemühen uns, nur qualitativ hochwertige und hochpreisige Ware anzunehmen. Oft ist es die Einzigartigkeit und Seltenheit, die einen Sensationspreis für ein Objekt entstehen lässt, wie es uns z. B. beim Blumenbild von Jan Brueghel d. Ä. mit einem Verkaufspreis von € 2.191.500, fulminant gelungen ist. Ein zufälliger Fund eines „Kunstschatzes“ ist mehr als selten.

Erfüllen Sie vorgemerkte Wünsche?

Skofitsch-Haas: Wenn wir einen gewissen Künstler anbieten, werden natürlich die Sammler gezielt vor der Auktion auf das eine oder andere Objekt hingewiesen.

Stichwort Auktionen: Ergibt sich daraus ein eigener Thrill, wenn große Qualität auf eine meist anonyme Schar von Bietern trifft?

Skofitsch-Haas: Ich kann nur jedem raten einmal eine große Auktion zu besuchen! Das kann sehr spannend sein. In ein paar Sekunden/ Minuten entscheidet sich alles. Oft gibt es Bietergefechte zwischen schriftlichen Geboten, Telefonbietern, Mitbietern im Saal, es kommen Online-Gebote herein oder über die Sensalin.

100. Auktion Palais im Kinsky

Können Sie uns einige Spitzenreiter verraten?

Skofitsch-Haas: Bilder der Klassischen Moderne und Gegenwartskunst nehmen das größte Marktsegment ein. Die Zeit um 1900 gehört zu den bedeutendsten Epochen der österreichischen Kunstgeschichte, was sich bis heute im Interesse der Sammler widerspiegelt. Koloman Moser, Egon Schiele oder Alfons Walde sind Garanten für Spitzenpreise. Ein wachsendes Interesse ist in den letzten Jahren auch für die Kunst nach 1920 zu erkennen. Spitzenreiter in Österreich sind der Kärntner Maler Werner Berg und die Grazer Malerin Norbertine Bresslern-Roth. Die Avantgarde nach 1945 führte auch 2017 die Liste der Top Lots an: an der Spitze Maria Lassnig, gefolgt vom internationalen Star Franz West. Auch die Werke des aus Kärnten stammenden Ausnahmekünstlers Hans Bischoffshausen konnten neue Steigerungen und ein anhaltendes Interesse verzeichnen.

Ein Abstecher in die Kunstsoziologie: Wie verteilen sich die Käuferschichten?

Skofitsch-Haas: Zeitgenössische Kunst wird verstärkt von einem jungen Publikum gekauft. Der „Wert“ eines zeitgenössischen Kunstwerkes setzt sich nicht nur aus erzielten Verkaufspreisen bei Auktionen zusammen, sondern in die Bewertung fließen auch Ausstellungen in namhaften Museen, Präsenz auf den großen internationalen Kunstmessen, Auszeichnung und Rezensionen in Kunstmagazinen oder Ankäufe führender Museen ein. Kunst wird immer mehr als Anlageform gesehen, auch von privaten, nicht-professionellen Sammlern. Der Trend zur Kunst als Anlage wird voraussichtlich auch weiter wachsen, vor allem in Zeiten finanzieller Unsicherheit.

Zählen auch Hotels zu Ihren Kunden?

Skofitsch-Haas: Das kommt natürlich auf den Hotelier an. Graz ist mit dem großen Kunstsammler Dr. Helmut Marko und seinen mit unzähligen Kunstwerken ausgestatteten Hotels sicher eine – erfreuliche – Ausnahme.

Private Sale gibt es erst seit Kurzem. Wie entwickelt sich der private Direktverkauf?

Skofitsch-Haas: Üblicherweise werden Kunstwerke ab etwa 50.000 Euro im Private Sale angeboten – an speziell dafür ausgesuchte Kunden. Der Private Sale ermöglicht eine schnelle, unkomplizierte und diskrete Abwicklung! Seit diesem Jahr haben wir im Palais Kinsky noch zusätzliche Räumlichkeiten im Erdgeschoss angemietet, um für den Private Sale eine Art Galeriesituation zu schaffen. Unser neuer Geschäftsführer – Christoph la Garde, selbst passionierter Kunstsammler – hat vor, den Bereich Private Sale in den nächsten Jahren noch auszubauen.

Elisabth Skofitsch-Haas Auktionshaus im Kinsky
Elisabth Skofitsch-Haas, Auktionshaus im Kinsky

Gibt es eine Überschneidung mit den traditionellen Galerien?

Skofitsch-Haas: „im Kinsky“ sieht sich als Mittler zwischen Kunstliebhabern und vernetzt private Sammler, öffentliche Museen und Kunsthändler. Wir sind mit unseren Auktionen der Sekundärmarkt für Kunst. Künstler, die in Galerien vertreten sind, auf Messen gezeigt werden, von Kuratoren ausgestellt werden, finden dann den Weg auf den Auktionsmarkt.

Auktionshaus im Kinsky

www.imkinsky.com